Beiträge von JohnDoe

    Ich habe eigentlich ein wenig das Gefühl, dass wir uns im Kreis drehen - wir haben grundlegend verschiedene Ansichten und mir fallen immer wieder die selben Antworten auf deine Aussagen ein. Dennoch versuche ich es nochmal und werde im Zweifelsfall einfach akzeptieren, dass unsere Realitäten anderen Gesetzen zu folgen scheinen.


    Ob ich noch nie Jemanden getroffen habe, dessen Geschlecht ich nicht sicher bestimmen konnte - die Frage muss ich ganz klar verneinen. Nein, ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der in meiner Wahrnehmung kein binäres Geschlecht hatte. Das heißt aber nicht, dass ich Demjenigen das Geschlecht zuordne, was genetisch vorhanden ist. Als ich meinen Exfreund kennenlernte, wussten wir beide nicht voneinander, dass wir da gerade in eine Beziehung mit einem Transsexuellen schlittern und für mich war er von Anfang an ein Mann, was sich zu keiner Zeit verändert hat. Als ich vor ein paar Jahren eine heute noch gute Freundin kennenlernte, wusste ich ebenfalls nicht, dass sie als Junge geboren wurde - stattdessen würde ich ohne jeden Zweifel behaupten, dass sie eine der schönsten Frauen ist, die ich kenne und auch an diesem Bild hat sich mit dem Wissen um ihre Genetik nie etwas verändert. Ich sehe manchmal auch Menschen, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob das nun ein etwas femininerer Junge ist oder einfach eine etwas maskulinere Frau - allerdings überwiegt dann immer eines von Beidem in meiner Wahrnehmung, einfach weil Gestik, Mimik, Wortwahl oder Irgendetwas mir intuitiv vorgibt, als was ich diesen Menschen wahrnehme. Das funktioniert unabhängig davon, wie sich die Person fühlt oder welche Genetik vorhanden ist und es funktioniert automatisch.


    Deswegen fürchte ich auch, dass ich deine Aussage nicht so stehen lassen kann, wenn du selbst von dir behauptest, dass du manchmal männlich und manchmal weiblich wirkst - du wenige Sätze später aber selbst anmerkst, dass man dich anhand deiner Außenwirkung wohl klar weiblich einstuft. Das widerspricht sich und ich muss davon ausgehen, dass es bei dir so ist, wie bei allen nonbinären Personen, die ich bislang erlebt habe - sie nehmen sich selbst nonbinär wahr und möchten gerne, dass das als Wahrheit in den Köpfen aller Anderen übernommen wird, aber die Realität sieht einfach anders aus und das liegt meistens nicht daran, dass es abgelehnt würde, auf die nonbinäre Person einzugehen, sondern daran, dass die Allgemeinheit einfach nicht taub und blind gleichzeitig ist. Wir nehmen wahr, wen wir vor uns haben, sobald wir den Rechner aus machen und Menschen nicht nur als Schrift auf einem Bildschirm sehen. Ich weiß eigentlich auch gar nicht, wieso du nicht verstehen kannst, dass Menschen das nicht absichtlich tun, um dich zu ignorieren, sondern weil du scheinbar wirkst, wie du eben wirkst - das ist keine Sache, die sich deine Umwelt aussucht.


    Dass mit der Intoleranz und den Begrifflichkeiten... da muss ich klar widersprechen. Mag vielleicht an einem Altersunterschied zwischen uns liegen (kann ich nur vermuten), dass du es nicht anders kennst und das Gefühl hast, es gibt schon ewig zig Gender, von denen man sich das passende raussucht - mit Jinxi hatte ich es aber z.B. schon öfter darüber, dass wir uns sehr alt vorkommen, wenn wir über solche Dinge lesen, weil das nicht die Sorte Identitätsfindung ist, dir wir Mal hatten und das Alles so fremd wirkt, wie es vermutlich für unsere Eltern war, als wir das erste Mal mit bunten Haaren nach Hause kamen. Was die Staaten angeht, kann ich dagegen versichern, die waren schon so, als ich Kind war und vor mir vermutlich noch sehr viel intoleranter, als sie es heute sind. Intoleranz kam also nicht als Antwort, sondern andersrum und das ist auch der Grund, warum viele Dinge, die hier in Deutschland schräg wirken, plötzlich viel mehr Sinn machen, wenn man sich die amerikanische Importware in ihrem originalen Umfeld ansieht. Feminismus kann da auch ein Lied von singen, aber über den will ich nicht schonwieder anfangen.


    Zu deinem letzten an mich gerichteten Punkt muss ich gestehen, ich bin ein wenig sprachlos. Mir ist absolut klar, dass du das sehr unbedarft betrachtest mit der Konstellation zwischen nonbinär und trans - mir ist auch klar, dass du da eigentlich versuchst, soetwas wie eine freundschaftliche Koalition zu beschreiben und im Endeffekt will auch Niemand nonbinäre Personen von Plattformen ausschließen oder Dergleichen. Leider werde ich teilweise aber wirklich ein bisschen sauer, wenn ich deine Beschreibung darüber lese, wie du gegenseitige Gerechtigkeit beurteilst und wirklich zu glauben scheinst, dass Unterstützung so aussehen soll. Vermutlich würde man mehr Unterstützung ganz freiwillig bekommen, wenn man sie sich nicht einfach indirekt erzwingt und auch ein bisschen Eigenverantwortung dazu beiträgt.

    Tatsächlich halte ich es für eine gute Idee, Little-queer-Robin damit direkt mit zu nötigen, über den Beirat nach zu denken - ich denke, dann hätte ich weniger stark das Gefühl Ansichten beizutragen, die den nonbinären Gendern nicht gerecht werden, weil ich das dann einfach nicht weiter berücksichtigen muss und es aus dieser Richtung dann notfalls auch Gegenwind gibt. Würde das Ganze schonmal ganz gut zu eigenständigen Bereichen machen.


    Vorausgesetzt natürlich, Robin möchte sich dazu überreden lassen. Ansonsten bietet sich vielleicht noch Jemand freiwillig an.

    Ich geh einfach Mal auf alle drei Absätze ein, auch wenn mich nur einer davon direkt anspricht.


    Absatz 1: Du gehst hier irgendwie von der Grundannahme aus, deine Geschlechtsorgane würden dein Geschlecht bestimmen und deswegen wäre es eh egal, wie du dich verhältst. Das stimmt absolut nicht. Deine Außenwirkung macht für Andere dein Geschlecht und da kann ich dir Trans Mal wieder als Beispiel anbieten, denn es hat seinen guten Grund, warum Transsexuelle nicht direkt Hormone und Operationen verschrieben bekommen - dieser Grund ist, dass wir von unseren Therapeuten so lange eingehämmert bekommen, dass es unser Job ist, unser Geschlecht zu verkörpern, bis wir damit aufhören, von unserem Gegenüber zu erwarten, sich uns als das Geschlecht vorzustellen. Wir leben es und im Normalfall leben wir es exakt so, dass uns Niemand unsere Geschlechtsorgane anmerkt, bevor eine Operation auch nur in Sicht wäre. Das heißt nicht, dass man Klischees und Rollenbilder erfüllen muss, sondern dass ich - im Zweifelsfall auch in neutralen Klamotten, meinetwegen auch mit Eyeliner - von meinem Gegenüber als Mann wahrgenommen werde, ohne ihm sagen zu müssen, dass ich einer bin. Welche Geschlechtsorgane ich habe, sieht Derjenige dabei normaler Weise nicht. Wie das im nonbinären Fall funktionieren soll... ich würde behaupten, es funktioniert gar nicht, aber es behaupten ja genug Leute, Geschlechter nicht wahr zu nehmen, vielleicht wissen Diejenigen ja, wie eine neutrale Außenwirkung aussieht, wenn es letztendlich nicht nur eine Behauptung ist.


    Absatz 2: Hier redest du davon, dass der ganze Gender-Kram in Deutschland 'noch' nicht angekommen sei. Ich würde eher sagen, wir gucken Amerika zum Glück nicht Alles ab, denn wir müssen es nicht. Das ist in Amerika verdammt wichtig, weil die Gesellschaft da überwiegend intolerant unterwegs ist - dort braucht es Strömungen, die Diskriminierung jeder Form entgegenwirken. Diese Konzepte sieht man hier in Deutschland und für Einige scheint das eine tolle Lösung für Probleme zu sein, die wir hier in der Form gar nicht haben. In Deutschland wird Niemand nach einer mentalen Schablone abgleichen, ob sich eine Frau weiblich genug verhält. Sie kann schlicht machen, was sie möchte und braucht dafür kein Label, um eine Existenzberechtigung zu haben. Wenn wir uns aber lange genug Lösungen für nicht vorhandene Probleme suchen, dann wird es ja vielleicht irgendwann zur Wahrheit und wenn die Diskriminierung da ist, dann brauchen wir vermutlich auch drölftausend Gender, damit Jeder wieder sein kann, wie er will. Das wäre nach amerikanischer Logik ja dann Fortschritt.


    Edit: Ups, das war auch in Absatz 1 - ich glaube, Absatz 2 beantwortet sich aber irgendwie nebenbei mit.


    Absatz 3: Also erstmal kann ich verstehen, dass du das so siehst - aus deiner Position, mit der du ja auch Niemandem etwas Böses willst. Wenn ich den Blickwinkel jetzt aber Mal umdrehe, dann ist das ziemlich egoistisch, denn es gibt genau einen Grund, warum sich kaum noch Jemand traut, über Trans zu reden - weil es diese anderen Gender gibt, die sich als trans verkaufen und ein sehr absurdes Bild von Trans erzeugen, die Leute zudem dann auch noch falsch darüber belehren, wie man mit Transsexuellen umzugehen, sie zu nennen oder auch sonst tolerant ihnen gegenüber zu sein hat. Auch weil man keines der anderen Gender auch nur einen Meter mehr ernst nehmen würde, wenn sie sich mit Trans verknüpfen - sondern man Trans weniger ernst nimmt, weil es im Kopf der Leute zu einem der drölftausend kruden Gender gehört. Weil die Menschen verlernen, dass Transsexuelle in der Öffentlichkeit nicht offensichtlich erkennbar sind und stattdessen glauben, wenn sie einen Transsexuellen sehen, der eine männliche Außenwirkung hat, dann müsse das Jemand sein, der mit weiblichen Pronomen angesprochen wird - denn so funktionieren die nonbinären Gender. Kein einziger Transsexueller hätte Etwas dagegen, Personen nonbinärer Geschlechter an die Hand zu nehmen, wenn wir nicht Diejenigen wären, die in dieser Zweckgemeinschaft den Preis zu zahlen haben - nicht dafür, dass ihr anders lebt, sondern dafür, dass ihr verlangt, Andere würden sich vorstellen, ihr würdet anders leben. Ich weiß, dass das vermutlich härter klingt, als ich es meine, aber ich weiß nicht, wie ich es anders deutlich machen soll, dass wir euch Nichts böses wollen, sondern der Deal einfach nur sehr mies ist, den man uns da anbietet.

    Ich denke, diese Entscheidungsgewalt würde ich tatsächlich am liebsten ihm überlassen.


    Wenn er es absegnet, dass der Senf genießbar ist, den ich dazu geben kann, dann tu ich das und wenn ich doch zu deutlich bin, um im allgemeinen Sinn des Forums meine Gedanken anzubringen, dann geht das für mich auch völlig klar und würde mich nicht so sehr wundern.


    Ich denke, darüber schreibt man dann ausführlicher, wenn es so weit ist und er sich da genauer Gedanken dazu macht.

    Intersexualität bedeutet tatsächlich nochmal etwas völlig anderes - wenn es aus rein biologischer Sicht ein Geschlecht neben männlich und weiblich gibt, dann wäre es ganz klar die Intersexualität. Genau genommen stimmt es dann aber doch wieder nicht, weil das kein drittes Geschlecht ist, das als neutral gelten würde, sondern es ist eher das Gegenteil und bedeutet, dass Derjenige sowohl männlich alsauch weiblich ist.


    Das sind Menschen, die mit beiden Geschlechtsmerkmalen geboren sind. Auch da lässt sich biologisch zwar wohl bestimmen, welches Geschlecht man zuordnen könnte, aber faktisch fühlen sich Intersexuelle zu beiden Geschlechtern zugehörig und das immer, ohne dass sie wechseln würden - und sie haben auch körperlich beide Geschlechtsmerkmale sofern das chirurgisch nicht verändert wurde. Das wurde eine lange Zeit lang nach der Geburt gemacht und war für Diejenigen in der Mehrheit später eher schlimm.


    Youtube kennt zu dem Thema einige gute Videos.


    Jinxi Ja, dass du da ganz ähnliche Ansichten vertrittst, habe ich natürlich im Hinterkopf, allerdings weiß ich wirklich nicht so recht, ob ich hier in der Praxis für so einen großen Teil der Trans-Community spreche, wenn ich meine starren Ansichten praktiziere ^^' Bisher hatte ich das ganz starke Gefühl, dass ich eher sehr kontraproduktiv in den Augen Vieler wäre. Vielleicht überdenke ich das nochmal, aber ich würde meinen Standpunkt eben auch nicht ändern, nur weil ein anderer User-Titel unter meinem Namen stünde oder sowas.

    Ich würde da Mal den Wortlaut von littleBastard aufgreifen, den ich sehr treffend fand. Er beschrieb es gerade damit, dass es gerade einfach Trend ist, bloß nicht standart-cis zu sein und das würde ich mit dem Gefühl koppeln, dass Alles das, was eben nicht standart-cis sein möchte, automatisch unter irgendwie-trans fällt. Meinem Gefühl nach ist das Denjenigen auch ganz recht, weil man Trans einigermaßen kennt und es mittlerweile seriös genug vertreten ist, um ernstgenommen zu werden. Da mag man mich gern berichtigen, aber es ist jedenfalls mein Eindruck, dass Transsexuelle die einzigen sind, die diese Symbiose nicht förderlich finden.


    Wobei es mir da aber auch nicht so sehr darum geht, zu sagen 'meh, ich will aber nicht mit allen anderen in eine Schublade' - das wäre kindisch und wird der Ernsthaftigkeit auch nicht gerecht, mit der ich das betrachte. Man fühlt sich letztendlich nicht ernstgenommen, wenn man mit Konzepten gleichgesetzt wird, die man nicht vertritt - und man sich in der eigenen Thematik plötzlich fremd und fehl am Platz vorkommt, weil zwar das Label übernommen wird, aber der Inhalt verloren geht - geht zumindest mir so.

    Anima Insomnes Das mit den Hormonblockern ist ein weniger Komplizierter. Die tun eben genau das, wonach sie klingen - sie hindern den Körper daran, das Geschlechtshormon auszuschütten, was biologisch einfach angelegt ist, weswegen man das gut bei Transsexuellen machen kann, die noch nicht durch die Pubertät sind, einfach um z.B. bei MtF zu verhindern, dass Stimmbruch oder Bartwuchs einsetzt, was Östrogen nicht einfach umkehren könnte. Genauso können Blocker dann Sinn machen, wenn bei einem Transsexuellen nach der ersten Pubertät der Körper nicht so auf das Gegengeschlechtliche Hormon anspringt, wie er soll - z.B. wenn bei FtM die Periode nicht aussetzt, oder immer Mal wieder kommt, obwohl ein männlicher Hormonstatus erreicht ist. Einfach so kann man das mit den Blockern aber nicht machen, ohne das gegengeschlechtliche Hormon zuzuführen, denn der Körper funktioniert in dem Fall ungefähr so wie ein Motor und das Geschlechtshormon (egal welches) ist das Öl. Wenn du nun kein Öl zuführst, dann läuft der Motor nicht, wie er soll. Ob eine genetische Frau nun einen weiblichen oder einen männlichen Hormonstatus hat, ist erstmal egal, aber der Körper braucht einen gesunden Hormonstatus von einem der beiden biologischen Geschlechter, um nicht ziemlich schnell absolut aus der Bahn zu laufen, Krebsrisiken ausgesetzt zu sein und im Ernstfall schwer krank zu werden. Von einer Lösung eines Mittelwertes ist mir Nichts bekannt - ich weiß nur, wie sich das anfühlt, wenn mein Testosteronwert Mal ein wenig in den Keller rutscht und damit unter dem Normalwert des männlichen Status, gleichzeitig über dem Normalwert des weiblichen pendelt - das würde ich ungefähr so beschreiben, wie ich denke, dass sich ein Diabetiker fühlen muss, der in Zeitlupe unterzuckert.


    littleBastard Ich glaube, du bewertest dich da kritischer, als du müsstest. Nur weil du Männer als Partner bevorzugst, bist du nicht weniger trans oder anders trans - natürlich ist Transsexualität kein Geschlecht, keine Orientierung und auch keine Identität, aber genau deswegen macht schwul Sein da auch keinen Unterschied. Das ist einfach nur eine Vorliebe deinerseits, genau wie du eine bestimmte Eissorte bevorzugst oder was auch immer. Genauso müssen Tanssexuelle andere Transsexuelle nicht automatisch mögen und auch sonst gibt es ja erstmal nur genau diese eine Sache, die man gemeinsam hat, aber genau darauf bezieht sich so eine Community ja, wenn man diese Gemeinsamkeit als Thema hat. Das ist bei homosexuellen Communities exakt genauso, die eben erstmal nur ausschließlich diese eine Vorliebe als gemeinsames Thema haben und hier im Forum gibt es eben beides, was sich in manchen Themenbereichen überschneidet und in anderen eben nicht. Genau deswegen finde ich aber auch, dass Jeder sagen können sollte, was er möchte, solange Niemand persönlich beleidigt wird - aber ich verstehe, was du damit meinst, denn mir geht es im Grunde auch so, dass ich meistens schon vorher denke 'oh Gott, was wird da nur wieder kommen, man wird mich verbal lynchen' - aber genau das ist doch schon nicht richtig und ein Grund mehr, erstrecht den Mund auf zu machen. Vor Allem dann, wenn du dich nicht wohl fühlst, denn es kann ja irgendwie nicht sein, dass man dann Nichts sagt und sich selbst dauernd vor den Kopf gestoßen vorkommt - nur damit die selben Personen sich nicht vor den Kopf gestoßen vorkommen.

    weirdo Der Punkt bei Hormonen ist eben, dass es da ja nicht wie bei Medikamenten irgendwie andere Hormone gibt, die im Körper was anderes machen. Es gibt eben nur Testosteron und Östrogen, um an der geschlechtlichen Biologie etwas zu verändern und beides wirkt als Medikament verabreicht eben auch genauso, wie wenn der Körper es natürlich produzieren würde. Daher hast du schon ganz recht. Neutral funktioniert da nicht, denn wenn ein Mann die Pille verschrieben bekommt, bildet er die selben weiblichen Merkmale aus, wie es Mädchen in der Pubertät tun und Frauen bilden die selben Merkmale aus, wie es Jungs in der Pubertät tun, wenn sie Testosteron-Spritzen bekommen. Jeweils auch exakt mit dem selben Ausmaß, sodass man Trans von 'genetisch-echt' einfach nicht unterscheiden kann, wenn man eben davon absieht, dass Hormone Nichts regeln können, was biologisch nicht in irgendeine Weise angelegt ist. Bei einer genetisch weiblichen nonbinären Person würde das z.B. heißen, dass relativ schnell ein Stimmbruch einsetzt, sich das Körperfett umverteilt und Bartwuchs einsetzt. Das lässt sich nicht vermeiden und auch nicht rückgängig machen, sodass da später Nichts neutrales bei herum kommt, sondern eine äußerlich klar ins Männliche tendierende Person.


    Generell weiß ich aber auch nicht, wie eine neutrale Geschlechtszuordnung physisch real aussehen soll, aber das könnte Jemand, der selbst nonbinär ist vielleicht besser erklären, wie das angestrebte Wunschbild aussieht.


    Anima Insomnes Ja, ganz richtig, ich persönlich kann das Konzept des nonbinären Geschlechts einfach nicht konstruieren. Ich nehme eine Person einfach als männlich/weiblich wahr - je nachdem, was meine Sinne eben wahrnehmen und mit was ich die person biologisch eher verknüpfe. Das tue ich nicht absichtlich, sondern es ist mein für mich ganz logischer Zuordnungsvorgang, der mit irgendwelchen Normen Nichts zu tun hat. Eine Person, die ich als weiblich wahr nehme, muss sich also gar nicht weiblich verhalten oder sich optisch weiblich geben, sondern eine biologisch weibliche Außenwirkung haben - den Anspruch, dass sich die Person deswegen klischeehaft weiblich verhält, habe ich nicht.


    Generell wollte ich mit dem Thema aber eigentlich gar nicht darauf hinaus, das nonbinäre Konzept in Frage zu stellen. Ich wollte eigentlich mehr darauf hinaus, wie ich die transsexuelle Community wahr nehme und dass die meisten nonbinären Geschlechter fast mehr als trans gelten, obwohl es nicht besonders viel gemeinsam hat - eben weil sich nonbinäre Geschlechter selbst sehr stark mit Trans identifizieren, ohne dass es andersrum genauso der Fall wäre.


    Edit: Anima Insomnes Das kann ich sogar ganz einfach erklären, was für mich der Unterschied ist - wenn mich ein Fremder trifft, dann ist es meine Verantwortung, von ihm als das wahrgenommen zu werden, als was ich von ihm gesehen werden will. Nicht seine Fantasie macht mein Geschlecht, sondern meine Außenwirkung macht es und da ist es egal, wie tolerant er ist oder ob er Transsexualität versteht, denn in der Regel wird er nicht wahrnehmen, dass ich trans bin, wenn ich es ihm nicht sage. Erstmal bin ich nur ein Mann und mehr muss ein Fremder auch nicht wissen. Nonbinär funktioniert genau im Gegenteil, denn dort muss der betroffene praktisch Nichts tun, außer Trans als Vorbild vorschieben und erwarten, dass das Gegenüber das so in seiner Fantasie irgendwie umsetzt.

    Wir scheinen grundlegend ein wenig aneinander vorbei zu reden.


    Natürlich würde ich mich nicht anders fühlen, wenn an Transsexualität irgendetwas weniger oder anders medizinisch definiert wäre - exakt deswegen lasse ich ja auch jedem Anderen seine Identifikation womit auch immer. Es ist aber ein Unterschied, ob ich respektiere, wie sich Jemand wahr nimmt oder ob ich es für richtig befinde, wie medizinische Eingriffe dafür aussehen sollen. Ich weiß schlicht nicht, ob Hormone etwas bringen, wenn man sich nicht als ein festes binäres Geschlecht definiert, denn Hormone sind dafür da, sich einem festen binären Geschlecht anzugleichen. Ich gebe auch Niemandem eine Kopfschmerztablette, der keine Kopfschmerzen hat und erwarte davon, dass die Kopfschmerzen weggehen, die er nicht hat - und auch wenn immer Alle so tun, als wären Hormone bloß leckere Süßigkeiten, sind das einfach Mal verflucht starke und gefährliche Medikamente. Aber damit soll sich die Medizin rumschlagen, nicht ich. Ich weiß, was bei Transsexualität hilfreich ist, unter welchen Umständen es hilfreich ist und in welcher Form - Alles andere übersteigt mein Beurteilungsvermögen. Trans ist nunmal nicht die Vorlage für Alles, was irgendwie mit Geschlechtsidentitäten zu tun hat, vor Allem nicht dann, wenn sie gegenteilig funktionieren.


    Zu der Sache mit meinem Genderdestruktionsproblem - mein Problem ist nicht die Existenz von Menschen, die sich als nicht binäre Geschlechter definieren. Da kann ich mich nur wiederholen. Mein Problem ist es, dass gleichzeitig mit der These der nonbinären Geschlechter erwartet wird, dass dieses Konzept von allen Anderen Menschen übernommen werden muss - und das tust du da zwischen den Zeilen nun sogar auch, indem du mir vorwirfst, ich würde 'euch' - welche Geschlechter das auch immer alles meinen mag - nicht tolerieren, weil ich an dem Konzept der zwei binären Geschlechter festhalte. Ich muss dein Konzept nicht teilen, um dich zu tolerieren, aber offensichtlich erwartest du, dass ich mein Konzept dafür aufgebe. Das werde ich nicht tun, weil es meinem Konzept nicht entspricht. Als was ich 'euch' toleriere, wirst du nicht hören wollen. Ich toleriere euch als Menschen, die sich mit einem nonbinären Geschlecht identifizieren - ich toleriere euch auch als Menschen, die meinetwegen andere Pronomen verwenden, aber letztendlich müsst ihr tolerieren, dass ich euch nicht als nonbinäres Geschlecht wahrnehme. Ich kann ja auch Niemandem verbieten, mich als nonbinär oder weiblich wahr zu nehmen - das ist nicht meine Baustelle, was im Kopf Anderer vor geht und was in meinem vorgeht, ist auch nicht die Baustelle Anderer. Ich kann nur beeinflussen, wie meine Außenwirkung ist und wenn ich persönlich männlich wahrgenommen werden möchte, dann sorge ich eben dafür - vielleicht wäre es an der Zeit, dass andere Gender diese Eigenverantwortung auch übernehmen.


    Dass ich den Beitrag nur eröffnet haben kann, wenn ich ein Problem mit anderen Konzepten habe - nein, tut mir Leid, aber es dreht sich nicht immer nur alles darum, Irgendwen zu diskriminieren. Genau genommen sprach ich in meinem Beitrag sogar sehr viel mehr von der Transsexuellen Community und dass sich Alles trans nennt, ohne trans zu sein - demnach hätte ich sogar noch sehr viel weniger ein Problem mit nonbinären Geschlechtern, wenn sie eben wirklich ein unabhängiges Gender wären oder wenigstens versuchen würden, nicht Alles über Trans als großen Bruder zu begründen. Große Brüder haben selten Lust dazu, Alles für ihre kleine Schwester zu regeln und dabei noch der Doofe zu sein - auch wenn sich das kleine Geschwister meistens wünschen, weil es so schön einfach ist.

    Ich glaube, ich wurde hier in ein paar Punkten missverstanden - also erstmal glaube ich nicht an 4 Geschlechter, sondern an 2 - männlich und weiblich. Trans ist kein Geschlecht.


    Dann viel mir auf, dass du dich scheinbar ziemlich direkt von mir angesprochen gefühlt hast, Little-queer-Robin - das meinte ich absolut nicht so, wie du es aufgefasst hast. Du beziehst dich da auf eine Hormontherapie für diverse Gender und dass ich das nicht unterstützen würde, dass ich mich irgendwie von der Existenz dieser Konzepte bedroht sehen würde. Dem ist nicht so. Natürlich wäre ich für diese Hormon-Idee kein Befürworter - das hat aber völlig andere Gründe, denn ich bin kein Wissenschaftler und werde deswegen nicht beurteilen, ob es Hormone für eine nicht diagnostizierte Störung geben soll. Wenn du das also so verstanden hast, dass ich der Meinung wäre, es würde keine Existenzberechtigung für diverse Identitätsformen geben, dann muss ich widersprechen und klar sagen, ich toleriere jede davon als eigenständiges Konzept.


    Edit: Da hab ich glatt den Hinweis mit den Trans-Foren überlesen. Mir ist bewusst, dass das Plattformen sind, die in der Theorie Anlaufstelle sein sollten - in der Praxis sind sie es allerdings nicht, denn dort findest du auch nicht mehr Transsexuelle, sondern lediglich mehr Streiterei darüber, wer nun wie viel trans ist und wie man mehr trans wird. Da ist das Problem, was ich hier anspreche, also nur noch sehr viel geballter.

    Ich habe nun eine ganze Weile darüber nachgedacht, wie ich das Thema überhaupt nennen soll und eigentlich ist das schon sehr bezeichnend, denn im Grunde denke ich, es ist erstmal egal, wie ein Thread heißt, solange es schon einigermaßen klug ist, was ich in dem Beitrag dann von mir gebe - andererseits fiel mir aber kein einziger Titel ein, der sowohl auf den Punkt bringt, worüber ich schreiben will alsauch vermeidet, dass sich Irgendjemand angegriffen fühlen könnte/würde. Irgendjemand wird sich immer angegriffen fühlen und das werde ich in dem Beitrag sicher genauso wenig vermeiden, wie in dem Titel. Deshalb versuch ichs nun einfach mit Humor - den kann man mögen oder eben auch nicht.


    Eigentlich geht es hier darum, das ich über persönliche Befindlichkeiten meinerseits schreiben werde - ich will also nicht irgendwelche klugen Fakten suggerieren oder allgemeingültige Thesen aufstellen, sondern ich rede von meiner subjektiven Wahrnehmung, die so einfach existiert und die sich auch nicht verändern würde, wenn ich sie schöner Ausdrücke, damit der Leser sich dabei besser fühlt. Und es geht letztendlich um meine subjektive Wahrnehmung der Community - auch der Community dieses Forums, aber speziell der Community, die sich unter 'LGBTI', 'Queer' oder unter welchen Namen auch immer sammelt.


    Dass meine Wahrnehmung generell einigermaßen kritisch aussieht, hat der Ein oder Andere vielleicht schon mitbekommen, aber seit ein paar Tagen beschäftigt mich der Thread unseres Hausmeisters, in dem er nach Freiwilligen für unseren Userbeirat aufruft, was ich auch für eine ziemlich gute Idee halte. Tatsächlich wäre mein erster Gedanke gewesen, mich dort zu melden - alleine schon deswegen, weil ich mich vorwiegend im Forum angemeldet habe, um Unterstützung zum Thema Trans zu leisten und ich denke, ich wäre für diesen Teil der Community somit auch ein fähiger Userbeirat. Warum ich das letztendlich aber nicht getan habe, liegt einfach daran, dass ich überhaupt nicht sehe, welchen Teil der Community ich für Trans eigentlich vertreten sollte.


    Der Themenbereich für Beiträge zu 'Trans' steigt ständig um neue Threads, es kommen neue und alte User dazu, die ihr Trans-Sein entdecken oder sich irgendwie einigermaßen mit Trans verbunden zu fühlen meinen. A-Gender, Genderfluid, Poly, Demi, Grey, Genderqueer und weiß-der-Geier-was gehören ja auch irgendwie zu Trans dazu, einfach weil es Identitäten sind, die schon irgendwie zusammen gehören müssen und sich ja ohnehin Jeder davon mit Trans identifizieren kann - oder das zumindest glaubt.


    Ohne meine Gedanken dazu großartig zu beschönigen: Man fühlt sich als Transsexueller in LGBTI-Foren - vielleicht auch in der ganzen Community - nicht repräsentiert und obwohl ich es eigentlich so verstanden habe, dass man Gleichgesinnte treffen soll, kann ich die Gleichgesinnten, auf die man tatsächlich trifft, an einer Hand abzählen, während die Transsexuellen, die man im Alltag kennen lernt, genau deswegen nicht freiwillig in Online-Communities unterwegs sind. Das schlimme dabei ist, dass es eigentlich schon an ein Verbrechen grenzt, das einfach so zu schreiben - dabei ist das überhaupt nicht fair, denn Transsexuelle bemerken, ob sie mit einem anderen Transsexuellen über die selbe Identitätsstörung reden oder Derjenige keine Ahnung davon hat, wie sich Trans anfühlt und lebt und im Grunde ist nicht Derjenige ungerecht, der das kritisiert, sondern Diejenigen, die sich davon angesprochen fühlen, weil sie wissen, dass es stimmt. Es würde ja auch Niemand auf die Idee kommen, einem Autisten gegenüber undiagnostiziert zu behaupten, Autist zu sein - und beleidigt zu sein, wenn er das nicht so positiv aufnimmt, weil keinerlei Symptome von Autismus zu erkennen sind. Das ist geschmacklos und bringt keinem Beteiligten etwas.


    Schwierig finde ich als Transsexueller auch die immer stärkere Dekonstruktion der binären Geschlechter, denn natürlich kann ich tolerieren, dass sich andere Menschen nicht als Mann oder Frau identifizieren - ich finde es aber ungleich anstrengender, wenn diese Menschen einen Wahrheitsanspruch erheben, dem man kaum ausweichen kann. Meine Realität kennt zwei Geschlechter, beide nehme ich an anderen Menschen wahr und beide verkörpern genau das, wofür ich mein ganzes Leben lang gekämpft habe, wie es auch jeder andere Transsexuelle tut. Und Jeder, der von einem Transsexuellen erwartet, einen Verbündeten in dieser Sache zu finden, der hat das Konzept nicht verstanden. Wir nehmen unser Geschlecht wahr - unabhängig davon, wie uns unsere Gesellschaft sieht und unabhängig davon, wie alt wir sind, ob wir schonmal von der Definition Trans gehört haben und unabhängig von jedem SJW-Konzept, das uns in Frage stellt. Binäre Transsexuelle sind nicht die passenden Verbündeten für eine Trans-schädliche Ideologie und Diejenigen, sie es doch sind... denken vielleicht Mal darüber nach, wie stark man wirklich an einer Geschlechtsidentitätsstörung (das ist Trans nämlich) leiden kann, wenn man nicht an Geschlechtsidentität glaubt - und wie loyal das für andere Transsexuelle ist.


    Wieso ich das Alles schreibe und Diejenigen, die das freiwillig alles lesen, damit zumülle, obwohl das doch mein Privatvergnügen ist, mich mit den Gedanken und Empfindungen rumzuschlagen - ich denke, es ist ein finaler Versuch, zu einem konstruktiven Austausch zu kommen und zu sehen, wie die Meinungsbilanz hier tatsächlich aussieht, denn ich bemerke selbst, wie selten Unterstützung zum Thema Trans ernsthaft gefragt ist und dass man sich stattdessen sehr oft sehr veräppelt dabei vorkommt, Transsexualität aus der Trend schiene raus zu zerren, in der die Community es großteils scheinbar haben möchte. Wohl fühlt man sich dabei nicht besonders und eigentlich ist das auch nicht meine Aufgabe.


    Selbstverständlich kann hier Jeder seinen Senf beitragen, es sind nicht nur alle 'Genderqueeren' gefragt. Zudem ist harte Kritik absolut willkommen - und besser, als einfach gar keine Meinung zu äußern.

    Dass es Pansexualität nicht gibt oder dass sich das Diejenigen ausdenken, die sich pansexuell nennen, hat doch Niemand behauptet - natürlich gibt es Pansexualität, denn die Existenz fängt ja schon damit an, dass sich Jemand damit identifiziert. Der Haken an der Sache kommt aber schon direkt mit dem Ausdenken, denn tatsächlich denken sich das Pansexuelle nicht aus - sie lesen es irgendwo und fühlen sich danach dann pansexuell. Für mich als außenstehenden erschließt sich aber nunmal kein Unterschied zwischen Bisexualität und Pansexualität, was ich ja auch genauer begründet habe.


    Ähnlich ist das mit den Geschlechtern als Konstrukt. Niemand wird behaupten, dass Geschlechternormen irgendwie biologisch existent sind, die auf Klischees und Rollenbildern basieren, aber je nachdem aus welchem Blickwinkel man Geschlecht definiert, ist es einfach nicht so, dass es irgendwie eine unumstößliche Wahrheit ist, Geschlechter wären konstruiert. Erstmal ist das nur eine Behauptung, an die man glauben kann oder eben nicht, aber mit einem noch-nicht-so-weit-sein hat das Nicht viel zu tun. Niemand ist automatisch rückständig, weil er Theorien nicht sofort unhinterfragt übernimmt.


    Deswegen verstehe ich auch nicht wirklich, wieso es dich aufregt, wenn Jemand nicht deiner Meinung ist - ich meine, es sollte doch Andere auch nicht aufregen, dass du nicht ihrer Meinung bist. Relevant ist, dass man andere Meinungen akzeptieren kann, ohne sie für richtig halten zu müssen und das hat in dem Thread ja von Anfang an auch bestens funktioniert, so weit ich das beurteilen würde.

    Huhu,


    im Grunde musst du erstmal bloß einen Antrag an das Amtsgericht schicken, was für dich zuständig ist - falls du nicht weißt, welches Amtsgericht das für deinen Wohnort ist, kannst du da bei deiner Gemeindeverwaltung anrufen und nachfragen. Sobald du die Adresse vom Gericht hast, kannst du deinen Antrag hin schicken - der sollte ein Paar Unterlagen enthalten:

    Antrag-Datenänderung

    Antrag Verfahrenskostenhilfe

    Stellungnahme deines Therapeuten

    Kopie von deinem Personalausweis

    Beglaubigte Kopie deiner Geburtsurkunde

    Eine Aufenthaltsbescheinigung


    Wenn sie noch irgendwas zusätzlich haben wollen, schreiben sie dir das in der Regel.

    Ansonsten bekommst du dann eine Antwort, in der dir zwei Gutachter genannt werden. Diese beiden Gutachter werden dir darauf folgend ebenfalls schreiben und dir einen Termin mitteilen - es kann sein, dass du dafür weiter fahren musst und es kann auch vorkommen, dass ein Gutachter mehrere Termine mit dir haben möchte, bis er das Gutachten ausstellt.


    Ist das erledigt, wirst du danach noch mit dem Richter persönlich sprechen müssen, der über den Prozess entscheidet.


    Etwas genauer hatte ich es zum Teil hier schonmal ausgeführt, wie das bei mir ablief, aber im Groben war es das so weit schon.

    Ich glaube, Carmen meinte weniger, dass das biologische Geschlecht an sich ein Konstrukt ist - "Biologisches Geschlecht, Geschlechtsidentität und das Aussehen einer Person SIND nunmal verschiedene Sachen und ein Konstrukt der Gesellschaft!" - das war Carmens genaue Aussage dazu und ich denke, gemeint ist da alles drei zusammen als Gesamtkonstrukt und nicht die einzelnen drei Punkte an sich.


    Über diese These hab ich heute morgen beim Frühstück tatsächlich aber auch nochmal nachdenken müssen, weil die Behauptung, Geschlecht sei ein Gesellschaftliches Konstrukt irgendwie ständig in meinem Kopf rumspukt und ich nicht recht zu der Logik dahinter finde.


    Ich meine, meistens ist es doch so, dass Diejenigen, die die Ansicht vertreten, es sei ein Konstrukt, gleichzeitig auch Diejenigen sind, die hinter dem Konzept stehen, es gibt mehr als zwei Geschlechter. Aber sind nicht in Wahrheit das die Geschlechter, die konstruiert sind? Ich kenne absolut keine Frau, von der ich sagen würde, sie wirkt nicht auf ihre Weise weiblich oder sieht nicht auf ihre Weise weiblich aus - genauso kenne ich umgekehrt keinen Mann, von dem ich sagen würde, er ist nicht männlich oder sieht nicht männlich aus. Das sind in der Regel diese Personen selbst, die behaupten, sie entsprechen zwar ihrem biologischen Geschlecht, würden sich aber ganz anders verhalten oder aussehen. Ist mir noch Niemand untergekommen, bei dem es stimmt - außer Transsexuelle, die eben wirklich in keiner Form ihrem biologischen Geschlecht entsprechen.


    Bei allen anderen Geschlechtern neben den beiden binären ist es genau umgekehrt. Bei denen beschwert sich irgendwie Niemand, dass sie konstruiert seien, obwohl ich noch Niemandem begegnet bin, von dem ich sagen würde, Derjenige sieht nonbinär aus oder verhält sich genderfluid. Natürlich sagen einem das diese Personen und wenn man ihnen entgegen kommen will, benutzt man dann auch ihre Vokabeln, aber im Grunde ist das konstruiert und keine Realität, die man wirklich wahrnehmen kann. Entspricht ungefähr dem Status von Transsexuellen vor der Transition, wenn man zwar trans ist, aber nicht im gegensätzlichen Geschlecht lebt und es damit für die reale Welt einfach eine Fiktion ist.

    Hrm, spannende Überlegung...


    Intuitiv würde ich behaupten, in den meisten Fällen bemerkt man doch das Geschlecht seines Gegenübers - damit meine ich nun aber weniger das Geschlecht, dem sich dieser Jemand persönlich zuordnet, sondern das Geschlecht, was man selbst an der Person wahrnimmt. In den meisten Fällen wird das vermutlich das biologische, wie auch empfundene Geschlecht der Person sein, einfach weil es in den deutlich überwiegenden Fällen übereinstimmt. Stimmt es nicht überein, dann wird es wohl schwieriger.


    Mir ist es bisher nicht passiert, mich in eine Frau verliebt zu haben - ich kann beurteilen, welche Frauen ich für attraktiv halte, aber das ist sehr objektiv. Würde ich mich nun aber doch verlieben, dann wäre das eben so - und ich denke auch nicht, dass mich die reine Tatsache abschrecken würde. Ob das in der Praxis dann auch funktionieren würde, sich näher zu kommen, kann ich nicht sagen - wenn man eh schon verliebt ist, vermutlich schon.

    Ohje, nun machen wir ein Ausflug ganz weit in eine Richtung, in der wir uns nicht einig werden ^^' aber zum Glück ist das ja nicht schlimm, weil man sich nicht einig sein muss, um sich auszutauschen.


    Erstmal würde ich bei dem grammatischen Gendern unterscheiden zwischen den Pronomen, die ich für eine Person verwende (er geht in die Schule/sie geht in die Schule) und dem Gendern von Worten, die sich überhaupt nicht auf eine Person direkt beziehen, sondern um eine einfach nur verbale Funktion einer Person bzw. komplett anonyme Bezeichnungen. Wenn es um die direkten Pronomen geht, finde ich ganz klar, dass man auf solche Wünsche eingehen sollte, solange sich der Kontext auch für das Gegenüber richtig anfühlt. Bei dem Gendern von allgemeiner Grammatik geht es nicht um persönliche Ansprache einer Person und da muss man einfach entscheiden, ob man sich seine Sprache vorschreiben lassen möchte oder nicht - ich möchte es nicht und bleibe deshalb bei meiner klaren Art der Formulierung, weil ich einfach keinen Wert darauf lege, ob z.B. die Vokabel Student in neutralem Zusammenhang nun männlich oder weiblich ist. Ich muss es nicht labeln, denn es ist eine Person, die studiert und nicht mehr interessiert in dem Kontext meiner Meinung nach.


    Ich verstehe, dass das Alles aus dem Willen kommt, Menschen gerecht zu werden, denn das ist ja auch das Einzige, was man damit bezweckt. Die Frage ist nur, wer sich damit eigentlich letztendlich wohl fühlt und das kommt sehr stark auf den Kontext an. In vielen Fällen fühlt sich die Person, die auf das Gendern besteht, sehr wohl sobald gegendert wird - ob sich Derjenige wohl fühlt, der im Zweifelsfall für die Außenwelt unpassend gendern soll, ist nicht zwangsläufig der Fall. Ja, ich finde eigentlich schon, dass es wichtig ist, wie sich Jemand selbst wahr nimmt und das diese Person entsprechend behandelt wird - es ist aber genauso wichtig, wie das Umfeld diese Person wahr nimmt und entsprechend mit Demjenigen umgehen kann.


    Zu den Trans-Personen, die unter Gleichgesinnten gerne Mal als 'nicht trans genug' gelten... Idioten gibt es überall und an diesen Beispielen sieht man, dass es sie in der Community auch gibt. Es gibt keinen Maßstab fürs trans sein - entweder man ist es oder man ist es eben nicht. Wenn Jemand trans ist, dann ist er es und wenn ein Anderer meint, dieser Jemand ist nicht trans, dann meint er das eben. Wir können nicht für Andere bestimmen, was sie denken und welche Meinung sie haben, aber wir dürfen das Gegenüber für einen Idioten halten.


    Bei manchen Menschen variieren Gender, bei anderen nicht. Du sagst du warst früher 'ein Mädchen gewesen'.

    Das würde wenn man es Wort wörtlich nimmt doch heißen, dass sich dein Geschlecht auch geändert hat. Oder du beziehst dich auf deine Gender Expression und darauf als was du gelesen würdest. Ob du 'ein Mädchen' warst oder nicht kannst allein du beurteilen. Solltest du dich allerdings damals schon nicht weiblich identifiziert haben, so würde ich eher sagen dass du ein Junge mit einem 'typisch weiblichen' Körper warst.

    Hier kann ich mir vorstellen, dass unsre Meinungen stark auseinander gehen. In meinem Verständnis gibt es keinen Transsexuellen, der sich vor seiner Transition als sein genetisches Geschlecht identifizierte, demnach war ich für mich immer ein Junge. Faktisch war ich das aber nur für mich in einer fiktiven Parallelwelt, in der das Niemand einfach so wissen konnte, selbst wenn es manche Personen geahnt haben mögen. Es bleibt also Tatsache, dass ich für den Rest ein Mädchen war und sich das auch rückwirkend nicht ändern lässt.


    Ich muss aber zugeben, dass ich es auch so nicht besonders mit überkorrekten Bezeichnungen habe. Ich denke, wenn ich als Transsexueller schon darüber nachdenken muss, wie ich über trans reden kann und wie nicht, dann läuft etwas falsch. Das ist so, als würde man einem Schwarzen sagen, wie er seine Pigmentierung bezeichnen kann ^^'

    ...

    Für ich geht es im Feminismus darum von den Labeln weg zu kommen, da Gleichberechtigung nur bestehen kann wenn ein jeder Mensch unabhängig von Geschlecht und Geschlechternormen frei handeln kann.

    Stimmt, sehe ich genauso und zum Glück gibt es auch die Strömungen im Feminismus, die diese Ansicht vertreten - gleichzeitig gibt es aber auch die Strömungen, die alles labeln, was nicht bei drei auf dem Baum ist, Menschen darüber definieren und Geschlechternormen auflösen wollen. Das ist der sozial übergriffige Teil des Ganzen, der leider existiert.


    Wenn dich das interessiert und du es nachholen willst, dir die negative Seite des Ganzen anzutun, kann ich dir eine PN schreiben und dir Quellen verlinken, in denen sich kritisch mit diesen Strömungen auseinander gesetzt wird.

    Ich muss irgendwie feststellen, dass ich einen komplett anderen Freundes- und Bekannten-Kreis in meinem bisherigen Leben kennengelernt habe, als du ihn zu haben scheinst. Soll jetzt auch nicht wertend sein, aber wenn ich das so lese, komme ich mir ein bisschen wie ein Außerirdischer vor, der selbst scheinbar auch nur mit Außerirdischen zu tun hat, denn wenn ich mir vorstelle, das was du da schreibst, würde mich betreffen und ich würde das so mit meinen Freunden und Bekannten regeln, wie du das ja irgendwie machst... ich bin mir absolut sicher, meine engeren Freunde würden mich instand auslachen, weil sie denken würden, ich habe einen albernen Tag und mache komische Witze - und entferntere Bekannte würden vermutlich ausweichen und mich heimlich für schräg erklären.


    Ich meine... das sind Menschen, die mit dir interagieren - freundschaftlich, persönlich und im Zweifelsfall auch platonisch emotional - und dabei gendert ihr eure Grammatik und plant, mit welchen Pronomen man sich anspricht. Das ist unheimlich klinisch und so variabel, als würde es dabei überhaupt nicht darum gehen, wie man eine Person persönlich einstuft und wahrnimmt.


    Wenn ich mir vorstelle, damals wäre meine beste Freundin zu mir gekommen und hätte mir gesagt, dass sie anders heißen und andre Pronomen nutzen will, dann wäre das für mich eine sehr harte Botschaft gewesen - klar hätte ich das mitgemacht und zum Glück lief es andersrum und sie hat es mitgemacht, aber sowas 'zum ausprobieren' und einfach Mal so nebenbei, weil man das übermorgen ja wieder ändern kann... ich weiß nicht, ob es in eurem Fall irgendwie eine andere Tragweite hat, aber wenn man sein Leben wirklich umkrempeln will und da nicht nur ein Spielchen draus macht, heute Mal neue Wörter zu benutzen, dann ist das in der Praxis so, als würde man sein Leben neu anfangen und Alles auf eine externe Festplatte packen, was man bis zu diesem Punkt mit seinen Freunden erlebt hat.


    Das mag eigenartig klingen, wenn man das Ganze so locker sieht, wie du das handhabst, aber ich - der 25Jährige, der hier gerade den Beitrag tippt - bin de facto nie auf einem Klassenfoto aufgetaucht, war nie in einem Sportverein, habe keinen 18. Geburtstag gefeiert und war auf keiner Abschlussfeier. Ich erinnere mich an Alles davon, aber der 25Jährige war nicht da, sondern ein Mädchen im Teenie-Alter, unter deren Name mich heute Niemand finden wird, der damals vielleicht dabei war. Es ist nicht variabel, wer man ist - auch dann nicht, wenn es um Gender geht, sofern man es denn ernst meint.

    Unter Anderem auch auf den Feminismus, ja - wobei Feminismus ja derzeit eher so ein bisschen das Lager ist, das sich mit Allem beschäftigt, was irgendwie mit Identitäten zu tun hat. Geht ja in den aktuell lautesten Kreisen, die sich in den Medien nach oben arbeiten, schon lange nicht mehr um den Feminismus, der sich tatsächlich sozial einsetzt.


    Ich meine zum Beispiel, dass ein großer Teil der Themen, die mit Identitäten zu tun haben, immer darauf aufbauen, dass allen anderen Menschen vorgeschrieben wird, wie sie sich zu verhalten haben, damit es dem Label, um das es gerade geht, recht ist und wer das nicht tut, dem wird eigentlich schon sehr direkt suggeriert, es würde kein alternatives, moralisch richtiges Verhalten geben.


    Das nimmt derzeit einen Trend an, bei dem ich mich überhaupt nicht wundere, wenn sehr viele Leute zum Thema Gender gar Nichts mehr hören wollen, weil Jeder Angst haben muss, er sagt irgendwas falsches oder bekommt wieder irgendwelche abstrusen Konzepte vorgesetzt - einfach nur weil eine Personengruppe der Meinung ist, soziale Regeln aufstellen zu können. Das hat ein bisschen was von Beschäftigungstherapie für Andere, weil einem selbst langweilig ist und eigentlich frage ich mich viel eher, wie weit man das eigentlich treiben könnte.


    Ich bin mir fast sicher, wenn ich mich bemühen würde, einen möglichst ernsthaft formulierten Blog darüber zu verfassen, dass ich mein Gender in Farben definieren möchte und fordere, dass es gesellschaftlich akzeptiert wird, morgen nicht Herr XY, sondern Blau XY zu sein, dann würde es ganz sicher ein Paar Lifestyle-Feministen geben, die absolut meiner Meinung wären und gleichzeitige befürchte ich, dass sich Niemand die Arbeit machen würde, mir zu sagen, dass ich nicht alle Tassen im Schrank habe, weil es einfach Niemanden mehr wundern würde, sowas im Netz zu lesen.


    Mit Toleranz hätte das aber nicht besonders viel zu tun, mir sowas durchgehen zu lassen, denn je weltfremder die Konzepte werden, die einfach akzeptiert werden, desto offensichtlicher wird eigentlich, wie wenig viele der queeren Konzepte wirklich toleriert werden - sie werden ignoriert, damit man seine Ruhe davor hat. Das meine ich mit Lifestyle auf Kosten von Toleranz.