Ich denke, dass sich beides nicht unbedingt gleich verhält - einmal die sexuelle Orientierung und zum anderen die Geschlechtsidentität.
Bei der sexuellen Orientierung gehe ich davon aus, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen - eventuell erstmal eine Veranlagung, die wir ja für jede unserer Vorlieben schonmal grob haben und die sich vermutlich da findet, wo wir entscheiden, wen wir sympathisch finden und wer ganz intuitiv nicht zu unsren eigenen Eigenschaften passt. Dass dann aber in den Geschlechtern unterschieden wird, hängt vielleicht einfach davon ab, dass wir Eigenschaften und Verhaltensweisen da ganz anders verknüpfen. Wenn ich nun etwas ganz besonders an einem Mann mag, dann werde ich das an einer Frau zwar vielleicht auch mögen, aber ich nehme es anders wahr - geht mir persönlich zumindest so. Das Ganze lernen wir vermutlich durch unser Umfeld, werden darin geprägt, was wir an wem wie wahrnehmen und verknüpfen das dann entsprechend nach Geschlechtern, weil das nunmal so ziemlich das einzige Kriterium ist, bei dem wir als Kind lernen, dass wir sie binär einteilen können, jeder eines besitzt und es im Alltag auch oft genug eine Rolle spielt, um als wichtiger wahrgenommen zu werden, als z.B. Haarfarben. Zu wem man sich dann letztendlich mehr hingezogen fühlt, hat also mit dem eigenen Geschlecht meiner Theorie nach gar nichts zu tun, sondern alleine damit, wie wir das bevorzugte Geschlecht wahrnehmen - letztendlich weniger ein 'ich bin schwul' als ein 'ich bevorzuge Männer als Partner'.
Bei Trans kommt es wohl ein bisschen darauf an, aus welcher Perspektive man das sieht. Einerseits könnte man sagen, das gefühlte Geschlecht ist das 'echte' Geschlecht und dann wäre die logische Konsequenz, dass man so geboren wird, weil man von Geburt an direkt im falschen genetischen Geschlecht gelandet ist. Andererseits könnte man aber auch der Ansicht sein, dass die Genetik erstmal keinen Fehler gemacht hat und das gefühlte Geschlecht da einfach nur im Kontrast steht - in dem Fall gibt es da bisher keine fundierte Antwort und sicher kann man bei jedem Menschen mit vielen Interpretationen einen Grund dafür finden, was da ein Auslöser gewesen sein könnte, sich mit dem eigenen oder eben nicht mit dem eigenen Geschlecht zu identifizieren, aber das würde ja eigentlich heißen, dass Trans eine Art Störung ist, vor der man sich ja sehr wohl mit dem eigenen Geschlecht identifizierte, bis eben Irgendetwas passiert, was das durcheinander bringt. Das ist so aber nicht, denn die Wahrnehmung von sich selbst schaltet sich bei Trans ja nicht einfach irgendwann um und wir identifizieren uns mit unserem gefühlten Geschlecht auch genauso intuitiv, wie das Jeder Andere auch tut. Ich denke also, wenn Trans nicht angeboren ist, dann würde ich den Grund dafür irgendwo in den Prägungsphasen des 'Ich' im Kleinkind-Alter suchen, in dem es gefühlte Geschlechter noch nicht gibt. Ob und welche Auslöser das sein könnten... fraglich.