Beiträge von JohnDoe

    Kann da eigentlich nur sagen, dass weirdo das schon so beantwortet hat, wie ich es in etwa wohl auch täte - von SPD, CDU und Konsorten halte ich auch nicht unbedingt viel - weshalb von denen ja auch keiner meine Stimme bei der Wahl bekommen hat - aber von der AfD halte ich nunmal weniger als überhaupt gar Nichts. Wählbar wäre für mich die Linke, wenn sie sich nicht aktuell um Irrsinn kümmern und ihre wichtigen politischen Punkte stattdessen halbgar irgendwo vom Tisch kippen lassen würde - somit auch nicht wählbar, aber nur weil man mit seinen regierenden/möglicherweise regierenden Parteien unzufrieden ist, macht das eine schlechte Alternative nicht plötzlich zu einer guten Alternative.


    Ob Österreich das besser macht... ich will das im Grunde gar nicht beurteilen, aber ich sag Mal vorsichtig, dass ich schon ganz froh bin, stattdessen in Deutschland zu leben - auch in Hinsicht darauf, dass ein Teil meiner Familie zwischen Bayern und Österreich zerstreut ist und mich deren politische Ansichten teilweise schon genug befremden, um das Thema eher zu meiden, wenn ich keinen Streit vom Zaun brechen möchte. Ich denke, letztendlich bekommt in demokratischen Ländern wohl Jeder die Regierung, die sich in der Mehrheit ausgesucht wurde und die das Land somit auch verdient hat.

    Die AfD zu wählen wäre eigentlich nur dann als zeitgemäß zu beschreiben, wenn man damit meint, dass es gerade generell zeitgemäß scheint, allerorts konservativ mit mehr oder weniger starkem Rechtsdrall zu wählen - zum Glück sieht es bisher nicht danach aus, als würde Deutschland diesem Trend folgen und das hat gar nicht so viel damit zu tun, eine Partei von vorn herein aus zu schließen, sondern damit dass Deutschland gemeinhin scheinbar aufgeschlossen genug unterwegs ist, in der Mehrheit eher eine eingestaubte CDU zu wählen, wenn man es schon konservativ haben möchte.


    Die AfD ist nur so lange hip und neu, bis man den Quatsch liest, für den sie stehen - und das tun selbst deren Wähler offensichtlich kaum, denn die liegen in der Masse deutlich unter der Einkommensgrenze, die man haben müsste, um von deren Vorstellungen profitieren zu können, wenn es nicht um fragwürdig idealistische Motive geht.

    Aus meinen Erfahrungen würde ich eigentlich meinen, dass das Kennenlernen an sich erstmal gar nicht mit so persönlichen Informationen gekoppelt sein muss oder sollte - ich meine, von einem genetischen Mann würde Niemand verlangen, dass er während dem kennen Lernen direkt offenlegt, wie viele Zentimeter er in der Hose hat, ob er durch einen Unfall oder what ever womöglich eingeschränkt ist oder Dergleichen. Ich würde es vermutlich sogar sehr krude finden, wenn das Jemand einfach so offensiv direkt erwähnt, weil solche Informationen für gewöhnlich irgendwann dann kommen, wenn man mit Demjenigen intimer wird und dann ist das grundsätzliche Kennenlernen und Annähern ja eigentlich ohnehin schon längst passiert.


    Mir kam es dabei eigentlich nicht vor, dass sich zu diesem Zeitpunkt dann Jemand einfach plötzlich umentschieden hat und Diejenigen, mit denen es ohnehin nicht intim wurde, haben auch keine Infos bekommen. Ob Frauen da anders ticken, als Männer, kann ich nur schwer beurteilen, weil ich in dem Fall nie das Interesse hatte, darauf ein zu gehen, aber Angebote waren in der Richtung auch durchaus da, die mir nicht wirkten, als hätten sie spontan die Flucht ergriffen, wenn es dazu gekommen wäre.


    Ich denke, das ist einfach eine Frage des 'wie kommuniziert man das', ohne Denjenigen oder Diejenige einfach damit zu überfahren und durch einen unpassend eigenartigen Moment abzuschrecken, bevor man sich überhaupt nah genug steht.

    Wie es tatsächlich gemeint ist, weiß ich nicht, aber interpretieren kann man viel - wenn es zum Beispiel so gut wie komplett aus Metaphern besteht, könnte es heißen, dass das Mädchen aus ihrem behüteten Elternhaus ausbrach; der Mann ihr erwachsen Werden personalisiert; die Rosen für Liebe und ähnliche Erfahrungen stehen, die zwar schön sein, aber genauso auch weh tun können und die letzte Strophe andeutet, dass sie mit ihrer Kindheit/Jugend bezahlt hat.


    Wäre eine ganz lose Interpretation.

    Ja, in so einem Werbevideo ist eigentlich so ziemlich jede Sekunde und jedes Bild genau so durchgetaktet, dass es einen Zweck erfüllt. In meiner ersten Ausbildung zum grafikdesigner durfte ich beispielsweise solche trockenen Dinge lernen, wie man ein Werbebild aufteilen muss, damit bei einem Kunden ein bestimmtes Gefühl erzeugt wird oder welche Farben man wo bevorzugt einsetzen kann. War letztendlich auch der Grund, nie in dem Beruf zu arbeiten und direkt die nächste Ausbildung anzufangen.


    Das sprengt allerdings langsam echt das Thema, daher belass ichs dabei erstmal in Sachen Werbung x)

    Ja stimmt, zum Glück halten sich solche Bewegungen immer eher in Grenzen, weil die Mehrheit doch einfach sieht, dass solche Tabus meistens nicht wirklich real in ihrem Alltag existieren, aber je greifbarer ein Tabu ist, desto eher würde sowas gehen.


    In dem Fall war das aber eher theoretischer gemeint, weil ich ja auf weirdo eingegangen bin und das ja Fakt ist, was sie schrieb, wie Werbungen aufgebaut sind. Dass ich das Tabu in diesem Thema nicht wirklich als existent ansehe, hatte ich vorher ja schon geschrieben.

    Neja, das kommt immer ein wenig darauf an, welche Motivation das Ganze hat. Eine Frau, die sich aktuell aus reinen Demonstrations-Zwecken nicht rasiert, muss ja grundsätzlich nicht toll finden, nicht rasiert zu sein. Es hat also eine Motivation, das überhaupt so zu handhaben. Wenn ich jetzt eine Werbung schalte, in der die Marke praktisch suggeriert, im selben Widerstand mit zu gehen, indem ich ja den Mut habe, der bösen Gesellschaft ihre Tabus vor zu halten, würde ich zwar das Produkt unterstützen, was eigentlich dafür da ist, die ursprüngliche Motivation zu unterwandern, aber weil die Firma der Freund ist, kann das Produkt ja nicht feindlich assoziiert sein.


    Wenn also die Grundbereitschaft für eine entsprechende Käuferin da ist, das Produkt zu benutzen, es nur ihre aktuelle Meinung nicht unterstützt, wird sie das Produkt eher kaufen, wenn sie glaubt, das ist Teil ihres Boykotts. Eine Frau, die sich aber nicht als Demonstration nicht rasiert, sondern weil sie das so mag, wird so eine Werbung völlig egal sein - für die müsste ich wiederum aber auch keine Werbung machen, denn sie wäre in keinem möglichen Fall ein potenzieller Kunde.

    Weil man ihnen ihre Meinung zeigt und sie unterbewusst das Gefühl bekommen, sie würden ein Produkt unterstützen, das ihre Meinung teilt - des Resultat und der Zweck des Produkts sind dabei egal. Wird natürlich nie alle erreichen, aber es würde Diejenigen geben, die es abholt.

    Das bei den Werbungen kommt immer sehr stark darauf an, was gerade die gewünschte Manipulation ist und wie sie ankommt - Gesichts-Rasur bei Männern ist da das beste Beispiel. Ja, hier sieht man tatsächlich vorher keine glatt-rasierten Männer, aber sie sind auch nie unrasiert. Das sind immer sehr gepflegte 3Tage-Bärte, bei denen man sogar davon ausgehen kann, dass diese Männer das so stutzen und tragen - ziemlich sicher wurden sie vor dem Werbe-Dreh sogar professionell so rasiert, bevor dann Alles ab kommt. Bei Pickeln und kaputten Haaren hat man dann meistens genau das Gegenteil, denn die sehen meistens unglaublich künstlich aus, sind oft auch überhaupt nicht echt, sondern bewusst übertrieben von einem Maskenbildner oder Grafiker erzeugt - immerhin muss das Nachher-Bild ja auch sofort zu erzeugen sein, indem man das Ganze einfach abwäscht oder wieder raus retuschiert, ohne dass das Wunder-Mittel erst wirken muss. Exakt das ist dann auch der Effekt, denn man soll ja sehen, dass das Produkt sehr viel besser wirkt, als es das wahrscheinlich tun wird.


    Der Unterschied liegt im Produkt - vergleichbar mit dem Rasierer, der ja keine Wirkung erzeugen muss, sondern einfach nur zu handhaben ist, wären zum Beispiel Haarfarben/Tönungen oder Schminke. Auch da sieht man ausnahmslos Menschen, die schon vorher dem Ideal entsprechen und nachher bloß etwas anders aussehen. Man muss dem Kunden keine Zauberei vorgaukeln, sondern zeigt ihm einfach von Anfang bis Ende schöne Menschen, um zu suggerieren, man könnte sich die Schönheit zusammen mit dem Produkt kaufen.


    In der Regel spiegelt Werbung keine Meinung einer Mehrheit der Käufer wieder oder gesellschaftliche Tabus, sondern sie zeigt dem Käufer einfach nur das, was die Mehrheit der Käufer sehen will, um das Produkt toll zu finden. Nur deshalb gibt es für Werbung einen eigenen psychologischen Forschungszweig und solche Sachen.


    Deshalb meinte ich in meinem Post vorher, dass eine Werbung relativ sicher auch funktionieren würde, die es jetzt gerade genau anders herum machen würde. Da ist der Zeitpunkt nicht unwichtig, denn wenn ich heute eine Werbung für Rasierer schalten würde, in der man vorher eine unrasierte Frau sieht, dann würde ich damit mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die Frauen ansprechen, die aktuell ihren gesellschaftlichen Widerstand dadurch ausdrücken, sich nicht zu rasieren. Das ist aktuell Thema und in allen Medien ganz weit oben, wo es um Gender-Theorien geht. Würde ich das in 10 Jahren machen, wo kein Hahn mehr danach kräht, wäre so eine Werbung wiederum völlig unsinnig.

    weirdo Stimmt, darüber hab ich bisher gar nicht so genau nach gedacht - wenn ich da aber Mal so aus der Sicht eines Erstellers dieser Werbung denke, ist es eigentlich sogar ganz logisch, das so zu machen, denn das Produkt richtet sich in dem Moment ja in erster Linie an Menschen, die den Rasierer kaufen sollen. Potenziell könnten also mehr Leute darauf anspringen, wenn sie eine rasierte Person sehen, die ja irgendwie schon dem Resultat entspricht.


    Andererseits glaube ich aber sogar, dass es gar nicht blöde wäre, eine Werbung genau anders herum zu gestalten, denn dieses Aufblasen von Tabus (die meistens vor dem Aufblasen gar keine sind) verkauft sich mindestens genauso gut - wenn nicht sogar besser.

    Hrm, irgendwie nehme ich das deutlich anders wahr - also dass Körperbehaarung bei Frauen als unhygienisch gelten würde und bei Männern akzeptiert wäre. Akzeptiert ist es doch grundsätzlich erstmal in beiden Fällen und Niemand käme irgendwie auf die Idee, einer Frau ihre Körperbehaarung zu verbieten und als unhygienischer gilt es doch auch nicht, nur weil es eine Frau betrifft. Ich denke, es gibt einfach mehr Frauen, die Körperbehaarung an Männern attraktiv finden, als andersrum, weil es als klassisch männlich gilt, was auch einfach ganz logisch ist, weil rein biologisch betrachtet mehr Körperbehaarung auch mehr Testosteron heißt, aber sobald es daran geht, dass die Behaarung nicht erwünscht ist, trifft es Männer und Frauen meinem Empfinden nach gleichermaßen. Kenne sogar deutlich mehr Frauen, die so radikal ihrem Partner gegenüber auf das Rasieren bestehen, wie es sich nur wenige Männer einer Frau gegenüber trauen würden, ohne mental schonmal die Koffer zu packen ^^'


    Das ist aber doch Alles eigentlich nur der reine Attraktivitäts-Gedanke und keine Sache von Akzeptanz oder Inakzeptanz.

    Ich würde Mal raten, dass es für Telefon-Sex steht? Bin mir aber nicht sicher, ob ich da jetzt richtig interpretiere, weil ich die Abkürzung so jetzt auch nicht sicher zuordnen kann ^^'


    Falls ich richtig rate, sag ich Mal vage, dass das bei mir durchaus Mal vor kam, aber man den jeweils andren Anrufer schon länger kannte und das aus einem 'normalen' Gespräch irgendwie so entstanden ist - weiß nicht, ob ich mir da wirklich gezielt wen dafür suchen wollen oder ein Gespräch in diese Richtung forcieren wollen würde. Käme mir vermutlich irgendwie zu komisch und gestellt vor, um die Situation dann halbwegs ernst nehmen zu können.

    Ich denke eigentlich nicht, dass es da überhaupt so speziell um die Körperbehaarung bei Frauen gehen muss, denn grundsätzlich würde ich meinen, dass das keine Frage des Geschlechts ist, sondern des Ästhetik-Empfindens. Ich mag Körperbehaarung weder an Frauen, noch an Männern, noch an mir selbst und empfinde sie eigentlich auch immer als ungepflegt, egal ob es letztendlich wirklich ungepflegt sein mag oder nicht. Sehe ich bei Bärten aber sogar sehr ähnlich, sobald es über den 3Tage-Bart hinaus geht.


    So lange man das macht, womit man selbst zufrieden ist und bei solchen Dingen auch mindestens so weit auf die Wünsche seines möglichen Partners eingeht, wie man selbst möchte, dass er oder sie auf die eigenen Wünsche eingeht, sollte das vermutlich Jeder halten, wie er möchte.

    Doch, weiß ich - ich hab auch diverse Szenen durchgemacht und während meiner Schulzeit war diese Welle ebenfalls dabei. Das mit dem Nachmachen... das ist nichts Szene-Spezielles, sondern das übliche Gezacker, dass man nicht kopiert werden will, aber letztendlich tut mans - vielleicht nicht die Freundin, mit der man zu tun hat, aber dafür eben Sachen, die man wo anders sieht. Woher wollte man sonst auch so genau wissen, was den Kleidungsstil ausmacht?

    Irgendwie ist der Individualitäts-Gedanke bei Kleidung doch so oder so völlig müßig, denn es ist ganz egal, ob nun Punk, Gothik, Trendsetter oder was auch immer - so lange man seine Kleidung nicht nach Auftrag anfertigen lässt, sondern sie irgendwo kauft, ist Nichts davon individuell. Alles davon wird in Masse hergestellt und nur so lange angeboten, wie es auch in Masse gekauft wird. Angebot und Nachfrage.


    Letztendlich sind oft sogar gerade die 'Styles' alles Andere als individuell, bei denen davon ausgegangen wird, sie wären es, denn auch Diejenigen, die diesen Style haben, tragen mehr oder weniger Alle die selben Sachen.


    Ein Gothik, der beispielsweise sagt, er trage seine Kleidung nicht, weil es dem Gothik-Trend entspricht, sondern weil er sich wohl fühlt, unterscheidet sich absolut nicht von Jemandem, der mit den Trends von Stars geht und sagt, er trage es, weil er sich darin wohl fühlt. Beides ist Trend und ich fürchte, es gibt Niemanden, der nicht irgendeiner Art von Trend folgt. Sieht man an Hipstern, wie stark Etwas Trend sein kann, das von sich behauptet, außerhalb des Trends zu liegen.


    Individuell ist letztendlich höchstens die Mischung an einzelnen Einflüssen, die man als Person trägt und je mehr Einflüsse das sind, desto individueller wirkt das Gesamtbild eben. Ob das dann eine Marke ist oder nicht... die meisten Marken sind sehr viel günstiger, als sich z.B. Einzelstücke auf Anfrage fertigen zu lassen, wofür es mittlerweile auch genug Shops im Netz gibt. Muss Jeder selbst entscheiden, was ihm sein Geld wert ist und für welchen Preis er das bekommt, was er haben will.


    Um zum Thema zurück zu kommen - ich trage überwiegend Schwarz, hab nicht so viel für oversized Kram übrig, mag Hemden ganz gerne (auch in Kombination mit Shirt) und bin ein Verfechter der Streifen- und Karo-Muster. Mit Schals und Mützen könnte ich mich wohl auch tot werfen und trage zwar vermehrt Ringe und Ketten, aber kann Schmuck an den Armen nicht besonders leiden.

    Ich denke, in die andere Richtung wird die stimmliche Veränderung rein über die Hormone nicht so krass ausfallen, aber da lässt sich mit Stimmtraining ja dennoch viel machen - oder wenn du das in Erwägung ziehst, gibt es da auch Möglichkeiten zu Operationen. Damit kenne ich mich nun nicht so wirklich aus und Stimmband-Operationen sollen ja auch recht fies sein, daher will ich da Mal pauschal nicht einfach dazu raten, aber die Möglichkeit gibt es eben ganz klar.


    So oder so denke ich aber, dass es keinen Grund gibt, nicht zu testen, ob das mit Östrogen und anderer Stimmlage nicht völlig ausreicht - und selbst wenn man die verschiedenen Stimmen vielleicht nicht so stark hören wird, wird ziemlich sicher dennoch eine Veränderung zu bemerken sein - selbst dann, wenn es Optik und Ausstrahlung betrifft.


    Ich bin absolut unmusikalisch, wenn es über Instrumente hinaus zum Gesang kommt und hab bloß jedes Jahr ein Foto gemacht, seit ich 14 war - rückwirkend bereue ich es, nicht wenigstens eine kurze Sprach-Aufzeichnung gemacht zu haben, daher nimm die Chance einfach mit, das kann nicht schaden ^^

    Bin durch Zufall über das Video gestolpert und fand die Idee einfach toll, kreativ mit seinem Lebenswandel auf Testosteron umzugehen und mit sich selbst im Duett zu singen. Für Diejenigen, die musikalisch sind und das Ganze noch vor sich haben darf das auch gerne ein Anreiz sein - immerhin hat man die Chance im nachhinein nie wieder, das nach zu holen.



    Als ich damals meinem Dad den Gefallen getan habe, mich konfirmieren zu lassen, war das eigentlich das einzige Jahr, in dem ich mich zwangsläufig nicht nur theoretisch mit der Kirche befasst habe, aber obwohl ich absolut kein Fan davon bin und mich auch nicht als christlich ansehe, muss ich eigentlich sagen, dass unser Pfarrer ziemlich tolerant unterwegs war. Mag daran gelegen haben, dass er noch recht jung und für alternative Lebenskonzepte dementsprechend offen war.


    Die krasseren Erfahrungen habe ich später mit der Familie meines ersten langfristigen Freundes gemacht. Das war eine russische Familie und da ist es recht üblich, dass sie katholisch sind, was grundsätzlich schonmal etwas strenger läuft, als der evangelische Glaube - wie in diesem Fall eben auch. War ich nicht dabei, wurde mein Exfreund durchaus in Feiertage einbezogen und er wurde auch nie großartig kritisiert, aber ich habe schon unterschwellig recht deutlich gemerkt, dass ich der Fremdkörper in deren Konzept war und man zu Festtagen dann eher nicht eingeladen - oder eben zu Hause geparkt wurde, wo die Gemeinde davon Nichts weiter mitbekam. Gab auch durchaus öfter das Mutter-Sohn Gespräch bei ihnen am Tisch, was seinerseits auf Nachwuchs stichelte und solche Dinge, die völlig danach wirkten, als wäre das Konzept von anderen Orientierungen als der heterosexuellen in der Welt seiner Eltern schlicht nicht existent und alles nur eine Frage der Überzeugung.


    Ob sie das ganz bewusst gemacht haben, kann ich nur schwer einschätzen, aber es hatte so etwas sehr Scheinheiliges, einerseits so ein spießbürgerliches Bild von Glauben und Nächstenliebe zu praktizieren, aber sich andererseits mit Nichts auseinander setzen zu wollen, wofür man die Nächstenliebe hätte brauchen können. Ich denke, die guten und sinnvollen Teile einer Religion kommen leider oft weniger an, als die vielen Verbote und Einschränkungen, aber vielleicht braucht der Mensch auch eher die negativeren Eindrücke als Antrieb, um zu wissen, dass er Etwas leistet.

    Wenn du damit aufgewachsen bist, doch so nah an der Bibel erzogen worden zu sein, ist das schon ganz verständlich, dass du dir nicht recht vorstellen kannst, wie du das jetzt in Frage stellen könntest - vermutlich geht es deinen Eltern da selbst sehr ähnlich. Was aber im krassen Gegensatz dazu steht, ist die Tatsache, dass beinahe alle gläubigen Christen, die sich zu solchen Themen wie Homosexualität und co. so streng an Erwähnungen der Bibel halten, gleichzeitig aber bei anderen Themen differenzieren können.


    Was ich damit meine - geht es um sexuelle Orientierungen, dann wird die Bibel oft absolut wörtlich genommen, ohne dass man unsere heutige Gesellschaft einbezieht, aber wenn es zum Beispiel darum geht, dass die Bibel an vielen Stellen sehr offen zu Gewalt aufruft, wie es in den Schriften aller Religionen der Fall ist, dann sind sich eigentlich die meisten gläubigen Menschen einig, man dürfe die Bibel in diesen Fällen nicht wörtlich nehmen, weil sie aus einer anderen Zeit mit anderen gesellschaftlichen Normen stammt.


    Das heißt, im Grunde hält sich heute so oder so Niemand mehr wörtlich an Alles, was die Bibel besagt, aber während man sich bei Gewaltverbrechen einig ist, dass das nicht geht, zählt Diskriminierung eben nicht stark genug als Tabu, um die Bibel an dieser Stelle genauso zu hinterfragen. Dürfte daran liegen, dass praktiziert gläubige Familien oft eine generell eher konservative Struktur haben, in der Kinder dann zwar durchaus tolerant eingestellt sein können, aber so tolerant man selbst vielleicht auch ist, ist es nicht einfach sich gegen Intoleranz zu stellen, wenn sie von Personen in der eigenen Familie ausgeht. Immerhin wächst man damit auf, dass es gut und richtig ist, auf das zu vertrauen, was einem seine Eltern beibringen - egal ob das wirklich richtig ist oder nicht - und bis man alt genug ist, es eben doch zu hinterfragen, sind viele Dinge davon eben doch schon verinnerlicht.

    Dreamerine Ich versteh schon die Zwickmühle, in der du dich da siehst, aber vielleicht muss man da einfach gegenseitig Nachsicht miteinander haben - einerseits du mit deinen Eltern und andererseits deine Eltern mit dir. Vielleicht sogar du mit dir selbst, je nachdem wie kritisch dein Glaube mit dir selbst umgeht.


    Deine Eltern glauben an die Kirche und die Kirche glaubt an die Bibel. Sowohl der Glauben deiner Eltern, als auch der Glaube der Kirche sollen letztendlich aber an Gott gerichtet sein und die Bibel so eine Art Handbuch, weil Niemand Gott fragen kann, was er/sie/es will. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass die Bibel von Menschen verfasst und zusammengetragen ist - ist es dann nicht nahliegender, dass diese Menschen einfach aufgeschrieben haben, was sie dachten, wie sie Gott gerecht werden? Vermutlich haben sie Gott nicht persönlich gefragt, sondern nach ihrem Gewissen interpretiert, wie man seinem Glauben gerecht wird, aber ob das im Sinne Gottes ist, weiß doch letztendlich Niemand sicher.


    Das Einzige, was man als gläubiger Mensch wissen kann, ist das eigene Gefühl, was man als moralisch und/oder gefühlt richtig einstuft - und dass der christliche Glaube darauf basiert, von Gott gelenkt zu werden. Das müsste beides zusammen heißen, du weißt, was dein Gott will, wenn er dich dazu lenkt, etwas mit ganzem Gewissen als richtig wahr zu nehmen. Wenn das heißt, dass du in der Lage dazu bist, Frauen zu lieben, dann müsste das doch im christlichen Sinne heißen, Gott möchte, dass du dazu in der Lage bist.