Gott

  • ich sehe die Bibel als Lebenshilfe voller Metaphern. Zeitzeugenberichte, geprägt durch die Wahrnehmung der Autoren. Aber ich glaube fest an die Erlösung durch Jesus und die frohe Botschaft, an Mutter Maria und an Gott. Und letztendlich kann man sagen was man will; Jesus hat uns ein absolut gewaltfreies Leben vorgelebt und nie von der Sünde, sondern vom Frieden gepredigt. Als man die Ehebrecherin steinigen wollte, da stellte er sich vor sie und rief "Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein", er ging zu den Frauen und Kindern und er vergab seinen Verrätern. Da alles kann niemand abstreiten. Deshalb bin ich Christ. Weil ich fest an ihn glaube.

  • In Punkto Jesus gebe ich dir absolut recht. Das Problem ist nur, dass die Message, wie wir sie heute erlernen total verändert rübergekommen ist. Leider geprägt von Machtgier der Kirchenfürsten.
    Schön wäre ein Christentum back to basics. Das wäre wenigstens ehrlich!

  • @Anakin-Solo


    Da gibt es unterschiedliche christliche Konfessionen, die sich auf das Urchristentum berufen, wie es vor dem ersten Konzil war, etwa die AltKatholiken, zu denen auch wir gehören. Aber ich möchte jetzt nicht zu viel davon reden, sonst heißt es ich würde missionieren wollen. Kannst ja mal googeln. Viele Sagen, dass unsere Gemeinschaft modernisiert sei, oder verpassen uns den Ausdruck "Reformkatholiken", was irreführend ist, da die meisten Menschen mit "katholisch" die "römisch katholische" Kirche assoziieren. Dabei heißt "Katholisch" so viel wie "all umfassend" und damit ist gemeint, dass man eben die genaue Lehre Christi lebt und unverändert ist. Die Altkatholiken berufen sich auf die Christen im Untergrund des alten Roms, lange bevor die Institution Kirche gegründet wurde, daher der Begriff "AltKatholiken" So gesehen sind unsere Werte nicht modern, sondern eher dem Geist UNSERER Zeit entsprechend, was sich aber schnell wieder ändern kann. Als Urchristen sehen, die du ansprichst, sehen sich ausser den AltKatholiken alle Konfessionen, die nicht reformiert sind, also die römisch-katholische Kirche, die koptischen Christen (in Ägypten und Syrien), die orthodoxe Kirche und eben die Altkatholiken. Ich bin natürlich davon überzeugt, dass unsere Gemeinschaft das Urchristentum darstellt, wie Jesus es lehrte, aber das würde wohl jeder gläubige Angehörige jener Konfessionen sagen. Ich denke aber auch, dass jeder seinen eigenen Weg zu Gott oder zum inneren Frieden finden muss. Gott hat viele Namen...


    Des weiteren gibt es die Neuapostolische Kirche, die mit unserer Kirche assoziiert ist. Die Neuapostolische Kirche erneuert sich ständig. Dadurch, dass sie von den Neuaposteln geführt wird, die geistigen Nachfahren der 12 Aposteln, der Jünger Christi. Jede Region hat seinen eigenen Apostel, aber da kenne ich mich nicht so gut mit aus. Sind jedenfalls sehr nette Menschen, zumindest die ich so kennen gelernt habe (aus der Gemeinde selbst, nicht die Neuaposteln, die bekommt man nicht zu Gesicht) Auch hier finden viele junge Leute neuen Halt im Glauben, da auch die NAK für unsere heutigen Begriffe sehr liberal ist.


    Ich hoffe das war für dich von Interesse.

  • @ Edie:
    Du bist nicht verloren!!! Solange man an sich selber glaubt und andere in ihrer Eigenschaft als Menschen akzeptiert und auch so behandelt, trägt man zu einer besseren Menscheit bei. Aus deinen Postings wage ich zu entnehmen, dass du auch den kategorischen Imperativ befolgst. Das ist mehr, als die meisten von sich behaupten können. ;-)


    @ tu:
    Danke für die weitergehenden Infos. Und keine Sorge, Missionierung will ich dir nicht unterstellen. Bin thoelogisch und auch sonst ein neugieriger Mensch. Habe mir sogar mal die Mormonen genauer angeschaut. Die sind nicht so schlimm, wie oft behauptet wird, aber entsprechen nicht so wirklich meinen Vorstellungen.
    Der unterschied zwischen Alt- und Röm.Katholisch war mir auch ein Begriff nur muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich über die ersten relativ wenig Kenntnisse habe, was wahrscheinlich an der geringen Zahl liegt. Werde mir da mal ein Bild von machen.


    LG 2 all

  • Kurz gesagt: ich glaub nicht an so was wie Gott! Fragt nicht warum ist einfach so! Es gibt einfach zu viele verschiedene Religionen auf dieser Welt als das ich denken könnte dass ausgerechnet "unser" Gott wirklichkeit sein soll...

  • @ Gothicana:
    Ich sehe Gott auch nicht ausschließlich als unser alleiniges christliches "Eigentum" an, sondern bin von der Idee eines höheren Wesens fasziniert.

  • Ich sehe das ähnlich. In meinem Spirituellen Weg finde ich die Nähe zu meinem Schöpfer. Ich habe mich auch immer der Mutter Maria sehr nahe gefühlt. seit ich ganz klein bin bete ich zu ihr, wenn ich Sorgen habe oder glücklich bin. Dann spüre ich ich dass sie mir liebevoll zuhört.


    Ich schließe meine Augen
    es ist wie ein Zeichen der Engel
    Ich habe nicht die Entscheidung drüber,
    ich höre deine Stimme
    Es fühlt sich an wie fliegen
    ich schließe meine Augen
    Oh Herr!
    Es ist als würde ich vom Himmel fallen
    Ich schließe meine Augen
    Himmel hilf mir!


    Wie ein Kind
    flüsterst du mir sanft zu
    du hast alle Macht
    einfach wie ein Kind
    nun tanze ich
    es ist wie ein Traum
    kein Ende kein Anfang
    Du bist hier mit mir
    Lass die Stummen singen!


    Das Leben ist ein Rätsel
    Jeder steht für sich allein ein
    Ich höre dich meinen Namen rufen
    und es ist ein Gefühl von Heimat
    Wie ein Gebet
    kann mich deine Stimme dorthin führen
    die einfache Schönheit des Seins
    du bist ein Rätsel
    einfach wie ein Traum
    du bist nicht wie du scheinst
    deine Stimme kann mich dazu machen.


    Das sind die Strophen aus "Like a prayer" von Madonna. Sie beschreiben auf wundersame Weise meinen Glauben. Das Video, wo sie vor brennenden Kreuzen tanzte und auf einer Kirchenbank masturbierte. Die wenigsten haben damals verstanden, dass dieses Lied und auch das Video tief religiös ist und eigentlich eine Lobpreisung Christi ist.

  • Mit der Lobpreisung Christi gebe ich dir recht. Mit dem Video war das so ne Sache, vlt. konnten viele Menschen das Video nicht verstehen, weil die ganz einfach vergessen haben, dass Jesus eigentlich auch nur ein Mensch war, mit den normalen Bedürfnissen.
    Sprich zum Beispiel können sich die meisten Jesus nicht mit ner Frau vorstellen! Er ist ja schließlich Gottes Sohn.
    Darauf kann ich nur entgegnen: Und? ;-)

  • Eben. und grade diese Menschwerdung der Reinkarnation Gottes im Leib Christi als Teil der Dreifaltigkeit ist ja durchaus positiv; Er wurde vollkommen Mensch, das demonstriert seine Nähe zu uns. Und er kam zuerst zu den Armen. (Wobei in der Bibel angedeutet wird, er wäre ein Nachfahre König Salomons, eine recht eindeutige Stelle, de jedoch nie wieder Erwähnung findet.). Es gibt sogar in unserer Kirche Theologen, die fest der Annahme sind, dass die Hochzeit zu Karna, mit der wundersamen Brotvermehrung, seine Heirat war, nämlich die mit Maria Magdalena, welche ja laut Bibel später auch die Totenwache übernahm. Demnach wäre Christi auch Familienvater. Unserer Philosophie nach ist das so zu erklären; Jesus war eine Bestimmung auferlegt, die Bestimmung den Menschen das Leben vorzuleben und die frohe Botschaft zu verkünden. Daher schickte der Herr (Allmacht) ihm die Erleuchtung durch den Heiligen Geist. Jesus wirkte nämlich tatsächlich nur knapp drei Jahre und abgehen von den Umständen seiner Geburt (Belegt sind die Besuche der Sterndeuter aus dem Osten und die Ermordung der Kinder durch Herodes, die Flucht nach Ägypten wird nur ein einziges Mal erwähnt und könnte auch für etwas anderes stehen, was ich nun ausführen könnte, aber den Rahmen sprengen würde. Ägypten ist im Aramäischen bis heute ein Synonym für geheime Umtriebe.) ist von seinem Leben vor diesen drei Jahren nichts bekannt, außer dass er als zwölfjähriger in den Tempel ging, um dort mit den Priestern zu diskutieren.


    Als er anfing von der Nächstenliebe zu predigen war er ein erwachsener Mann und wahrscheinlich selber Rabbi geworden. Der Begriff "Sohn" wurde später vielleicht so interpretiert, wie wir ihn heute kennen, nämlich dass Jesus sich von uns anderen Menschen abhebt. Wir jedoch glauben, dass er diesen Begriff nutzte als Kind Gottes, der unser aller Vater ist. Und somit wäre auch ich ein Sohn Gottes, wie meine Mutter eine Tochter Gottes ist.


    Auch dass er sich innerhalb der Dreifaltigkeit selbst verherrlicht ist damit zu erklären, denn Jesus, als Erleuchteter der Allmacht, hat uns das Leben vorgemacht, so auch das Gebet. Beten wird heute immer als demütiges Lobpreisen des Schöpfers angesehen, so habe ich das aber nie erlebt und auch als Kind nicht beigebracht bekommen. Jede Religion hat ihre Art der Meditation und auch ich als Christ sehe das Gebet als ein in mich gehen, wo ich mit Gott (Allmacht) und mir alleine bin. Klar ist das bekreuzigen vor dem Essen eine Floskel, bei der ich oft nicht mal an Gott denke, aber so zieht sich der Glaube eben durch den Alltag und ich denke "er" wird es mir nicht übel nehmen, solange ich versuche ein guter Mensch zu sein.


    Maria spielt insofern eine Rolle, weil sie den weiblichen Aspekt Gottes betont; Den gütigen, reinen, nachsichtigen Teil voller Mutterliebe für Jesus, ihr Kind und somit auch die Menschen, die ja die Geschwister Christi sind. Mir wurde nie beigebracht, dass Mutter Maria Jungfrau war und ich nehme das auch nicht an. Aber durch all die wärme, die in den Schriften über sie zum Ausdruck gebracht wird, nimmt sie auch bei den Altkatholiken, trotz Abschaffung der Mariendogmen eine Sonderstellung ein, weil sie auch hier bis heute als Mittlerin zu Gott (Allmacht) gilt. Ich halte das für sehr Sinnvoll und denke dass dies auch Gottes Wille wäre. Maria als Verkörperung der Liebe und Empathie Gottes, die Seite an die sich Menschen richten, wenn sie in Not sind.

  • Im Prinzip also eine Verehrung des göttlich weiblichen.
    Schade nur, dass diese Dualität sich in unserem Kulturkreis sich nicht durchgesetzt hat. Könnte ja durchaus sein, dass die Welt friedlicher wäre, wenn die patriarchischen Strukturen nicht existent wären.

  • So könnte man es nennen. Zumindest meiner Definition der altkatholischen Glaubenslehre nach ist Maria die weibliche Seite Gottes, die als Mutter Christi unter uns lebte. Nicht umsonst heißt es "Maria voll der Gnade..." und "...bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes" (aus dem Ave Maria). Das impliziert für mich Maria= Vergebung. Und so heißt es auch; "Bitte darum und es sei dir vergeben". Und wen bittet man um Vergebung? Mutter Maria. Eine interessante Entwicklung. Man spricht eher die heilige Mutter an, als den Schöpfer selbst.

  • ;-) ok, bin nun mal nicht katholisch und habe davon jetzt nicht so die Ahnung, klingt aber irgendwie ganz plausibel! Wenn sich die meisten Kirchen jetzt noch so verhalten würden, wäre doch fast alles perfekt.

  • Nun ja. Ich denke dass jeder seinen Weg finden muss mit Gott in Dialog zu treten. Daher die starke Identifikation vieler Christen mit Mutter Maria. Ich kann nur sagen, wie ich das sehe und welche Art des Gebets mir Kraft gibt.