Beiträge von TraceLight

    TraceLight Die Diskussion über Liebe kenn ich auch, sogar aus dem heterosexuellen Kontext. "Gell, dir musss man auch einen malen." - "Die ist einfach zu anspruchsvoll." - "Dir ist ja keiner gut genug."

    Tut mit leid, dass ich vierzehnjähriges Mädchen keine "Beziehung" mit einem Jungen anfangen wollte, bei dessen Anblick ich höchstens denke: "Aha. Er lebt noch. Was interessiert mich das eigentlich?"?!

    Ist immer schön, wenn sie einem Leute andrehen wollen, von denen du dir einfach nur denkst: Aha. Guck mal. Ein Mensch. Na sowas. Was will ich damit? :)


    Als wäre es dringend notwendig, direkt eine Beziehung mit irgendwem einzugehen. Die vergessen immer, dass es nicht nur auf Aussehen und Nettigkeit ankommt, sondern man diese Person auch mögen muss.

    Die Mutter meiner Mutter hat einige solcher interessanten Sachen rausgelassen, bevor ich den Kontakt zu ihr beendet habe.

    Zum einen saß ich mal mit ihr im Auto und aus dem Nichts heraus fing sie ein Gespräch über mein Leben an.

    ,,Du musst Kinder kriegen! Deine Mutter will auch irgendwann mal Enkelkinder und von deinem Bruder kriegt sie keine!"

    Ich kann mit Kindern nichts anfangen. Babys und Kleinkinder kann ich nicht einmal anfassen. Ist wohl eine Art Phobie, aber das wird von den meisten leider nicht verstanden. Jedenfalls musste ich ihr dann ausführlich erklären, dass ich keine Kinder haben werde.

    ,,Und wenn du mal eine Frau findest, die schon ein Kind hat?!"

    Sie hat nicht einmal verstanden, dass das gar keine Option ist und ich mir niemanden mit Kind nehmen würde. Zumal ich da bereits glücklich mit meinem Freund zusammen war.

    ,,Was soll den dein späterer Partner überhaupt sein?! Mann, oder Frau?! Du musst dich mal entscheiden!"

    Da wurde mir dann klar, dass sie das ganze Konzept von Liebe gar nicht kapiert. Egal wie sehr ich ihr versuchte zu sagen, dass mir das egal ist und es mir auf den Mensch an kommt, sie kam immer wieder auf den Punkt zurück, dass das nicht gehen würde und ich wissen müsste, was ich nun lieber mag. Ich hätte genauso gut mit einem Baum darüber verhandeln können, ob er sich zwei Meter zur Seite bewegt...


    Da ich das Gespräch dann abbrach, unterhielt sie sich danach nur noch mit meiner Mutter über mich. Und je mehr mir meine Mutter erzählte, desto weniger konnte ich deren Mutter leiden.

    ,,Er macht nicht alle Operationen?! Dann ist er aber doch kein Mann."

    Das hat sie wohl gesagt, als meine Mutter ihr erklärte, dass wir langsam Richtung Operation gehen. Auf die Frage, ob sie allen Leuten in die Hose schaut, bevor sie mit ihnen spricht, wusste sie wohl keine Antwort mehr.


    ,,Wieso machst du das? Du warst früher viel glücklicher."

    Sagte sie einmal ganz am Anfang, als ich mich geouted habe und etwas später dann auch meine Depressionen offen zeigte, statt sie zu verstecken. Sie wollte nicht begreifen, dass das alles nur gespielt war.


    Beim einzigen Vorstellungsgespräch, zu welchem ich je eingeladen wurde, sah es übrigens auch nicht besser aus.

    ,,Wir hatten schon mal so einen Fall, wie dich. Der hat die Ausbildung dann abgebrochen und eine Therapie dagegen angefangen, um wieder normal zu werden. Das möchten wir nicht nochmal haben."

    Ich wurde, als Erwachsener, also mit einem 16järhigen in einen Topf geworfen, der das vermutlich nicht freiwillig gemacht hat und durfte mir dann anhören lassen, dass wir Transgender doch alle gleich wären und denen nur Probleme machen würden, allein schon mit der Namensänderung, die schon in vollem Gange war.


    Ich durfte mir wirklich schon unzählige dumme Sprüche anhören. Selbst dadurch, dass ich aromantisch bin.

    ,,Liebst du deinen Partner denn überhaupt? Klingt nicht danach."

    ,,Woher weißt du denn dann, dass du den wirklich liebst? Ist doch bescheuert."


    Ich habe das Gefühl, dass viel zu viele Menschen sich darauf verlassen, was sie wissen und dann stur daran festhalten und denken, sie wären im Recht, anstatt zu akzeptieren, dass Menschen unterschiedlich sind und nun mal nicht alles 100% so läuft, wie sie es sich in ihrem Kopf zusammengebaslt haben.