Hey Leute,
ich habe einen Artikel für unsere Schülerzeitung geschrieben und wollte wissen, was ihr davon haltet. Vielleicht habt ihr ja noch Verbesserungs- oder Ergänzungsvorschläge
Homophobie
Der Begriff Homophobie ist eigentlich ein wenig irreführend, denn es ist keine Phobie (also Angst), sondern eine Abneigung bzw. Feindseligkeit bis hin zu Hass auf Homosexuelle. Das kann bis hin zu körperlicher Gewalt gegen Homosexuelle führen.
Ist unsere heutige Gesellschaft noch homophob?
Die eingetragene Lebenspartnerschaft ist ein wichtiger Schritt in Richtung allgemeine Akzeptanz von Homosexualität.
Noch vor kurzer Zeit gab es den § 175, ein Gesetz gegen sexuelle Handlungen unter Männern. Eingeführt wurde er 1872, 1935 hoben die Nationalsozialisten die Höchststrafe auf fünf Jahre an. Nach zwei Reformen des Gesetzes in der BRD galt das Gesetz ab 1973 nur noch für homosexuelle Handlungen mit Minderjährigen, obwohl ein geschlechts- bzw. sexualitätsneutrales Gesetz zum Schutz von Kindern ausgereicht hätte. Abgeschafft wurde der § 175 erst 1994 bei der Rechtsangleichung mit der ehemaligen DDR.
Während des Nationalsozialismus wurden nicht nur Juden, sondern unter anderem auch etwa 10.000 bis 15.000 Schwule verfolgt und in Konzentrationslager gebracht. Zu Lesben während der NS-Zeit ist fast nichts bekannt. Einige Quellen sagen, sie seien unter anderen Vorwänden verhaftet worden (z.B. als "Asoziale") und seien teilweise zwangsprostituiert worden.
Doch auch heute noch werden Homo-, Bi- und Transsexuelle nicht immer als das betrachtet, was sie sind: Menschen.
Homophobie zeigt sich in vielen Bereichen. Wir haben zwar homosexuelle Stars wie Anne Will oder Dirk Bach und schwule Politiker wie Klaus Wowereit und Guido Westerwelle, doch auch der Spitzname "Schwesterwelle" ist eine eindeutige Anspielung auf seine Homosexualität (und das, obwohl es genügend andere Gründe gäbe, ihn zu kritisieren).
Im Männerfussball ist Homosexualität noch ein großes Tabu: In der deutschen Bundesliga gibt es keinen einzigen geouteten Spieler, obwohl es bei einem Anteil von Homosexuellen an der Gesellschaft von 5-10% eigentlich unmöglich ist, dass wirklich keiner der Spieler homosexuell ist. Ein Coming-Out als Fussballprofi hätte unvorhersehbare Folgen. Wie reagiert die eigene Mannschaft? Was sagen die Medien dazu? Wird man weiter von den Fans unterstützt?
Im alltäglichen Leben ist es nicht anders. Ein Coming-Out stellt für junge Homo- und Bisexuelle Menschen eine große Überwindung dar, vor allem, wenn sie von ihren Freunden ständig Witze über Schwule hören müssen. Auch die Benutzung der Wörter "schwul" und "gay" als Schimpfwort (auch für Gegenstände?!), ist ein alltägliches Beispiel. Sicherlich ist es inzwischen in die Umgangssprache eingegangen und ist selten explizit als Beleidigung von Homosexuellen gemeint, aber man sollte doch mal ein wenig darüber nachdenken, was man sagt.
Und zu Aussagen wie: "Ich habe nichts gegen Schwule, solange sie mich in Ruhe lassen" oder der irrationalen Angst, sich nach der Seife zu bücken, kann ich nur sagen: Glaubt ihr wirklich, dass ein Schwuler, nur weil er auf Männer steht, sofort mit jedem beliebigen Mann vögelt, auch wenn es gegen dessen Willen ist? Ein heterosexueller Mann will ja auch nicht mit JEDER Frau schlafen.
Lesben haben es vielleicht ein wenig besser, auch da es nicht so auffällig ist, wenn zwei Mädchen Hand in Hand herumlaufen. Aber auch sie haben mit Vorurteilen zu kämpfen. Z.B. wird jede Frau, die nicht gerne Röcke trägt und kurze Haare hat, sofort als "Mannsweib" abgestempelt. Lernt man dann mal eine Frau kennen, die sich eher männlich kleidet und lesbisch ist, sieht man sich in seinem Vorurteil bestätigt. Das nennt sich ein selbstbestätigendes Vorurteil. Ähnlich ist es bei Horoskopen: trifft es zu, fällt es einem auf und man merkt es sich, trifft es nicht zu, macht man sich keine Gedanken darüber. Daran, dass es auch sehr feminine Lesben gibt, denkt kaum einer.
Von Bisexuellen wird gesagt, dass sie sich nicht für ein Geschlecht entscheiden könnten, sie seien sprunghaft, untreu und unzuverlässig. Im Gegensatz dazu sagen Bisexuelle von sich selbst, dass sie den Menschen, die Person lieben, und nicht sein Geschlecht. Man kann eben nicht beeinflussen, in wen man sich verliebt.
Aber was sind die Ursachen von Homophobie?
Dazu gibt es mehrere Theorien.
Eine davon ist, dass viele homophobe Menschen selbst eine unterdrückte, unbewusste homosexuelle Neigung haben. Diesen innerlich ausgefochtenen Kampf verlagern sie nach außen, indem sie offen homosexuell lebende Menschen drangsalieren.
Eine weitere Ursache ist, dass in unserer Gesellschaft heterosexuelle Beziehungen die Norm sind, und alles, was nicht "normal" ist, ist automatisch weniger gut. Von der Kirche wird das Bild von Mann und Frau vermittelt, ebenso wie von Filmen und Büchern (Wie viele Filme gibt es schon, in denen die Hauptfigur schwul oder lesbisch ist und dies nicht das Hauptthema des Films ist? Könnten denn nicht z.B. Harry und Ron ein Paar sein?) und auch in der Schule wird wenig gegen Homophobie getan. Homosexualität wird vielleicht mal kurz in in Biologie erwähnt oder eine Stunde in Religion/Ethik behandelt, aber oft fällt das Thema unter den Tisch, Bisexualität wird sogar noch seltener erwähnt.
Unwissenheit, Unaufgeklärtheit und Ablehnung von abweichendem Verhalten führen also zu Homophobie.
Warum ist Homophobie ein so großes Problem?
Homosexuelle, deren Umfeld stark homophob geprägt ist, outen sich selten, oft reden sie sich auch selbst ein, sie seien heterosexuell. Diese Verleugnung eines Teils ihrer Identität kann zu ernsthaften psychischen Problemen führen. Wer sich doch outet, wird vielleicht gemobbt. Auch dies kann zu psychischen Problemen wie Depressionen, Selbstmordgedanken und Ähnlichem führen.
Auch in Bezug auf die Rechte von Homosexuellen ist Homophobie eine Blockade gegen gesetzliche Gleichberechtigung. Gleichgeschlechtliche Paare können zwar heiraten, aber die eingetragene Lebenspartnerschaft ist nicht vollständig mit der Ehe gleichgestellt. Beispielsweise dürfen sie nicht gemeinsam ein Kind adoptieren und in Baden-Württemberg noch nicht einmal überall beim Standesamt heiraten.
Es gibt eine Initiative, in den Artikel 3 des Grundgesetzes („Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“) „seiner Sexualität“ einzufügen. Es sollte genauso selbstverständlich sein, Menschen gegenüber, die sich in ihrer Sexualität von anderen unterscheiden, Toleranz zu zeigen, wie Ausländern oder Andersgläubigen.
Jeder Mensch ist anders. Was ist also so schwer daran, mit Menschen klarzukommen, die ein wenig anders sind als man selbst?