Peinliche Fehler von schlecht informierten Leuten

  • Ich musste in letzter Zeit öfter an meinen (ehemaligen) Deutschlehrer denken, der damals zeigen wollte, wie gut er das System verstanden hat und im Unterricht die Bemerkung machte: "Es gibt ja heutzutage alles, divers und so. Schwule Männer sind ja auch keine Männer, die kreuzen ja auch auf dem Formular 'divers' an."

    Überflüssig zu sagen, dass er sich damit komplett zum Depp gemacht hat. Es folgten noch ein paar andere zweifelhafte Aussagen wie "Homosexuelle achten immer sehr darauf, dass sie gepflegt aussehen" (woraufhin ich mich mit einem Blick auf meinen fleckigen Pulli und einem "nee, eigentlich nicht" ganz casual bei meiner Banknachbarin outete). Nach dieser Stunde war seine Glaubwürdigkeit dann endgültig beim Teufel.


    Kennt ihr auch solche Geschichten von Leuten, die besser einfach den Mund gehalten hätten? (Wart ihr selbst diese Leute? 🤭) Erzählt mal!

  • "Boah. Ich dachte hier wär alles rosa." Aussage einer ehemaligen Bekannten als sie zum ersten Mal in meiner Wohnung war. Es war leider ernst gemeint, aber wir konnten alle darüber lachen.

  • Die Mutter meiner Mutter hat einige solcher interessanten Sachen rausgelassen, bevor ich den Kontakt zu ihr beendet habe.

    Zum einen saß ich mal mit ihr im Auto und aus dem Nichts heraus fing sie ein Gespräch über mein Leben an.

    ,,Du musst Kinder kriegen! Deine Mutter will auch irgendwann mal Enkelkinder und von deinem Bruder kriegt sie keine!"

    Ich kann mit Kindern nichts anfangen. Babys und Kleinkinder kann ich nicht einmal anfassen. Ist wohl eine Art Phobie, aber das wird von den meisten leider nicht verstanden. Jedenfalls musste ich ihr dann ausführlich erklären, dass ich keine Kinder haben werde.

    ,,Und wenn du mal eine Frau findest, die schon ein Kind hat?!"

    Sie hat nicht einmal verstanden, dass das gar keine Option ist und ich mir niemanden mit Kind nehmen würde. Zumal ich da bereits glücklich mit meinem Freund zusammen war.

    ,,Was soll den dein späterer Partner überhaupt sein?! Mann, oder Frau?! Du musst dich mal entscheiden!"

    Da wurde mir dann klar, dass sie das ganze Konzept von Liebe gar nicht kapiert. Egal wie sehr ich ihr versuchte zu sagen, dass mir das egal ist und es mir auf den Mensch an kommt, sie kam immer wieder auf den Punkt zurück, dass das nicht gehen würde und ich wissen müsste, was ich nun lieber mag. Ich hätte genauso gut mit einem Baum darüber verhandeln können, ob er sich zwei Meter zur Seite bewegt...


    Da ich das Gespräch dann abbrach, unterhielt sie sich danach nur noch mit meiner Mutter über mich. Und je mehr mir meine Mutter erzählte, desto weniger konnte ich deren Mutter leiden.

    ,,Er macht nicht alle Operationen?! Dann ist er aber doch kein Mann."

    Das hat sie wohl gesagt, als meine Mutter ihr erklärte, dass wir langsam Richtung Operation gehen. Auf die Frage, ob sie allen Leuten in die Hose schaut, bevor sie mit ihnen spricht, wusste sie wohl keine Antwort mehr.


    ,,Wieso machst du das? Du warst früher viel glücklicher."

    Sagte sie einmal ganz am Anfang, als ich mich geouted habe und etwas später dann auch meine Depressionen offen zeigte, statt sie zu verstecken. Sie wollte nicht begreifen, dass das alles nur gespielt war.


    Beim einzigen Vorstellungsgespräch, zu welchem ich je eingeladen wurde, sah es übrigens auch nicht besser aus.

    ,,Wir hatten schon mal so einen Fall, wie dich. Der hat die Ausbildung dann abgebrochen und eine Therapie dagegen angefangen, um wieder normal zu werden. Das möchten wir nicht nochmal haben."

    Ich wurde, als Erwachsener, also mit einem 16järhigen in einen Topf geworfen, der das vermutlich nicht freiwillig gemacht hat und durfte mir dann anhören lassen, dass wir Transgender doch alle gleich wären und denen nur Probleme machen würden, allein schon mit der Namensänderung, die schon in vollem Gange war.


    Ich durfte mir wirklich schon unzählige dumme Sprüche anhören. Selbst dadurch, dass ich aromantisch bin.

    ,,Liebst du deinen Partner denn überhaupt? Klingt nicht danach."

    ,,Woher weißt du denn dann, dass du den wirklich liebst? Ist doch bescheuert."


    Ich habe das Gefühl, dass viel zu viele Menschen sich darauf verlassen, was sie wissen und dann stur daran festhalten und denken, sie wären im Recht, anstatt zu akzeptieren, dass Menschen unterschiedlich sind und nun mal nicht alles 100% so läuft, wie sie es sich in ihrem Kopf zusammengebaslt haben.

  • TraceLight Die Diskussion über Liebe kenn ich auch, sogar aus dem heterosexuellen Kontext. "Gell, dir musss man auch einen malen." - "Die ist einfach zu anspruchsvoll." - "Dir ist ja keiner gut genug."

    Tut mit leid, dass ich vierzehnjähriges Mädchen keine "Beziehung" mit einem Jungen anfangen wollte, bei dessen Anblick ich höchstens denke: "Aha. Er lebt noch. Was interessiert mich das eigentlich?"?!

  • TraceLight Die Diskussion über Liebe kenn ich auch, sogar aus dem heterosexuellen Kontext. "Gell, dir musss man auch einen malen." - "Die ist einfach zu anspruchsvoll." - "Dir ist ja keiner gut genug."

    Tut mit leid, dass ich vierzehnjähriges Mädchen keine "Beziehung" mit einem Jungen anfangen wollte, bei dessen Anblick ich höchstens denke: "Aha. Er lebt noch. Was interessiert mich das eigentlich?"?!

    Ist immer schön, wenn sie einem Leute andrehen wollen, von denen du dir einfach nur denkst: Aha. Guck mal. Ein Mensch. Na sowas. Was will ich damit? :)


    Als wäre es dringend notwendig, direkt eine Beziehung mit irgendwem einzugehen. Die vergessen immer, dass es nicht nur auf Aussehen und Nettigkeit ankommt, sondern man diese Person auch mögen muss.

  • ich selbst hatte nie solche erlebnisse. zum einen, weil an meiner letzten schule alle sehr liberal waren, und das ganze um lgbtx eher schon alltag war, auch an vielen anderen schulen in der region. Es fehlte nur noch dass der tag mit einem regenbogen begann und endete und auf den wiesen der schule pinke einhörner nach jasmin duftende einhornäppel fallen liessen. Wenn eltern deswegen bedenken äusserten, und damit meine ich diese "skurrile" normalität, konnte es sein, dass sie einem shitstorm liberaler eltern ausgesetzt sahen, weshalb ich an "skurril" festhalte.


    Aber selbst wenn du als schwuler junge oder lesbisches mädchen in einer familie aufwächst, die dich supported, bleibt es nicht aus, dass dir deine eigenen leute zuweilen auf die nerven gehen.


    Ein freund bekam von einer seiner grossmütter immer nur geschenke in pinker verpackung. und auch sonst schenkte sie ihm eher kram, der ihrer meinung nach für junge frauen interessant sein müsste. Dabei stand er auf hardcore metal, bevorzugte farben wie dunkle blautöne, schwarz, burgundy für seine outfits und hatte eine leichte phobie vor menschen des eigenen geschlechts mit klischeehaft weibischem gehabe.

    Eine freundin, mit der ich zeitweise ging, verwirrte ihre leute öfter mit festen beziehungen zu partnern beiderlei geschlechts. Ihre Oma wurde wegen ihr sogar zur engagierten feministin und wollte vor allem über solche themen mit ihrer enkelin sprechen. Was diese nervte, denn obwohl ihr äusseres durchaus an das lebendig gewordene klischee einer, sorry, "kampflesbe" entsprach, war sie in keinster weise in dieser hinsicht aktiv. Sie war und ist einfach nur ein slbstbewusstes indviduum, dass gerne kurze haare und "männersachen" trägt, weil sie diese praktisch oder bequem zu tragen findet. Und weil sie "der" typ ist, der dies steht.

  • Ich kenn es ein bisschen von meiner Mutter. Sie meint sowas nicht böse oder so, aber manchmal schüttel ich einfach nur den Kopf.

    Zum Beispiel hat meine Schwester neulich geheiratet und unsere Mutter fand es schade, dass sie nicht so eine kleine Prinzessinnen Hochzeit hatte, worauf hin ich halt meinte, dass sie das ja noch haben kann, wenn mein einer Bruder mal heiraten sollte und ich, da wir beide halt auf Mädchen stehen.

    Sie meinte dann zu mir, dass ich doch sicher nicht den eher männlichen Part in der Beziehung übernehmen will.

    Ich hab sie nur kurz groß angesehen und ihr dann freundlich erklärt, dass es in einer Beziehung zwischen zwei Frauen keinen "männlichen" Part gibt.

    Das hat sie dann auch verstanden und das Thema war dann schnell vorbei, aber trotzdem fand ich es irgendwie unangenehm.

    Oder sie meinte mal, eher im Scherz, dass man als Frau in einer gleichgeschlechtlich Beziehung ja mal eben mit einem Kerl ins Bett springen kann, sollte man Kinder wollen und keinen Samenspender finden oder adoptieren können.

    Ich liebe sie, aber manchmal redet sie bevor sie denkt 😂😬

  • Sie meinte dann zu mir, dass ich doch sicher nicht den eher männlichen Part in der Beziehung übernehmen will.

    Ich hab sie nur kurz groß angesehen und ihr dann freundlich erklärt, dass es in einer Beziehung zwischen zwei Frauen keinen "männlichen" Part gibt.

    Das hat sie dann auch verstanden und das Thema war dann schnell vorbei, aber trotzdem fand ich es irgendwie unangenehm.

    Ist das nicht der typischste Fehler der Cishets?