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Ich hatte damals noch eine Freundin

Marco erzählt von seinem Ersten Mal und der Geschichte seines ComingOuts und über die Probleme die er mit seiner Freundin und Familie hatte.

Bild?Es fing alles vor ca. 5 Jahren an. Ich war gerade in der Entwicklungsphase und habe mir oft Pornofilme angesehen. Ich habe den Sex erst mit 16 1/2 Jahren entdeckt.

Aus langer Weiler rief ich einige 0190 - Nummern an, und gab dafür eine Menge Geld aus.Kontaktanzeigen habe ich auch gestartet und ich gebe noch heute welche auf. Ich lernte einen Mann (32 Jahre) kennen, mit dem ich meinen ersten Männersex ausübte.

In dieser Zeit wusste ich nicht wie ich über mein Sexualleben denke sollte, dass war die Zeit wo ich mir nicht eingestehen wollte das ich bisexuell veranlagt bin. Ich hatte ein ungutes Gefühl bis zu diesem Tag als ich diesen Mann kennen lernte. Ich wusste das es gefährlich ist, auf was ich mich da einlasse. Aber ich beschloss trotzdem dorthin zu fahren, um meine Neugierde endlich zu stillen.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch eine Freundin, der ich sagte, dass ich familiär übers Wochenende wegfahre. Sie verstand das und wünschte mir viel Spaß. Und ich sagte auch noch, den werde ich haben. Als ich am Bahnhof ankam, wo mich der Mann abholen wollte, wusste ich gar nicht was mir geschah, als er mir von hinten mit der Hand auf die Schulter klopfte. Der Mann sah attraktiv und sportlich aus. Ich stieg in sein Auto ein und wir fuhren zu ihm nach Hause. Als wir dort angekommen sind und ich in seinem Schlafzimmer stand, schmiss er mich aufs Bett. Dann passierte das, worauf ich auf eine Art lange gewartet habe und auf die andere Art hatte ich wiederum Angst davor, es mit ihm zu tun.

Aber ich ließ es einfach über mich ergehen. Als ich danach völlig verblüfft auf der Couch saß, konnte ich nicht fassen, was ich da getan habe. Ich hatte Sex mit einem Mann, der fast genauso alt war wie mein Vater.

Das Wochenende war vorbei und ich fuhr wieder nach Hause. Als ich dort angekommen bin, holte meine derzeitige Freundin mich vom Bahnhof ab und fragte mich wie es denn war und warum ich denn alleine wieder komme? Ich sagte zu ihr, dass es schön war in Schwerin. Ich habe mich natürlich versprochen, weil ich vorher zu ihr gesagt habe das ich mit meiner Familie nach Hamburg fahre, um dort Bekannte zu besuchen.

Sie forschte dem nach und bekam heraus das alles gelogen war was ich ihr erzählte. Dann verstrickte ich mich in Lügen, um aus diesem Schlamassel wieder heraus zu kommen. Es gelang mir aber irgendwie nicht und so bekam ich nach ca. 3 Tagen einen Brief von ihr, in dem stand, dass ich ein untreues Schwein bin, es mir von hinten besorgen lassen soll, zu meinen schwulen Freunden gehen soll und meinen Spaß mit ihnen haben soll.

Und zu guter Letzt das sie nichts mehr mit Leuten, wie mir zu tun haben will. Dann schrieb ich ihr einen gepfefferten Brief zurück, in dem stand, dass sie es selbst schon mit einem Mädchen getrieben hat und sie soll sich nicht so anstellen, nur weil ich Sex mit einem Mann hatte. Aber schließlich wurde aus diesem Mal ein Öfter und somit bemerkte ich das meine derzeitige Freundin mir tierisch auf den Wecker ging und ich mich bei einem Mann besser aufgehoben fühlte.

Somit beschloss ich meine erste Kontaktanzeige aufzugeben, um einige Jungs in meinem Alter kennen zu lernen. Irgendwie packte mich doch immer wieder die Lust es auszuprobieren. Ich wollte es nicht nur einmal machen, sondern öfter und immer mit verschiedenen Altersgruppen. Ich habe gemerkt, dass ich eher auf jüngere Typen stehe, als auf die Leute die schon 1/4 Jahrhundert älter sind als ich es bin. So lernte ich schon nach kurzer Zeit, meinen noch nicht zu glaubenden Freund Dennis kennen.

Dennis war 15 Jahre alt und voll der coole Kumpel, ich wollte ihn immer an meiner Seite haben. Schließlich fragte ich ihn ob er es sich vorstellen könnte eine Beziehung mit mir anzufangen. Er sagte: "Ja, warum eigentlich nicht?" Wir haben eigentlich eine ganz normale 3 - jährige Beziehung geführt mit Streit und Freude, was eine Beziehung halt so ausmacht. Jetzt sind wir schon wieder 1 1/2 Jahre auseinander, weil ich nach Schwerin gezogen bin und auch dort wieder jemanden kennen gelernt habe. Das ist aber eine andere Geschichte.

Im Großen und Ganzen sage ich ganz ehrlich, ich weiß selbst noch nicht so genau was ich überhaupt will. Ich weiß das, wenn es so bleibt ich mein Leben lang Probleme damit haben werde, wenn ich mir nicht irgendwann mal im klaren bin was ich überhaupt will. Aber vielleicht muss ich das ja auch noch gar nicht. Meine Mutter die zu diesem Zeitpunkt noch gelebt hat, und jetzt schon seit 4 Jahren verstorben ist, hat meine Neigung und auch meinen Freund Dennis voll und ganz akzeptiert. Bei mir zu Hause hat sich die Sache mit dem Thema "Homosexualität" regelrecht verschlimmert. Mein Vater sagt Dinge die er meist gar nicht sagen will zu mir, weil es ihm vor Wut raus rutscht oder er meint es nicht so wie er es gesagt hat. Es gibt Tage da komme ich mit meinem Vater Super aus, aber es gibt auch Tage wo ich ihn einfach nicht sehen und meine Ruhe haben will. Andererseits ist es mein Stiefvater, denn mein richtiger Vater sitzt im Knast und ich habe ihn noch nie kennen gelernt würde es aber gerne wollen.

Meinen Stiefvater sehe ich jetzt als meinen richtigen Vater an, weil er mich seitdem ich 2 Jahre alt bin großgezogen hat. Jedes Mal wenn ich Besuch bekomme dann fragt er mich wer das schon wieder war. Ich sagte das war ein Junge der auf meine Kontaktanzeige geantwortet hat und dann sagt er sofort den kannst du auch draußen kennen lernen. Aber nicht in meiner Wohnung. Ich habe schon so oft zu ihm gesagt das er es endlich akzeptieren muss, dass ich nun mal so bin und eine andere Einstellung habe, als andere Jungs in meinem Alter die vielleicht eine Freundin haben.

Es kann sich ja auch wieder ändern sagte ich zu ihm, was es aber bis heute nicht tat und ich glaube ich bin alt genug um zu wissen was ich wirklich will. Bekannte haben es schon in meiner Entwicklungsphase (9-12 Jahre) gesehen, dass ich den größten Teil nur mit Mädchen verbracht habe. Wenn Jungs kamen und ich Schläge bekam (weil ich immer ein Außenseiter war) haben die Mädchen mir immer geholfen. Ich sehe es so, dass ich früher nie Freunde hatte die ich gerne haben wollte, denn es waren eher meine Feinde. Und deshalb suche ich mir die Leute jetzt ordentlich aus um bei ihnen Geborgenheit zu finden.

Ich kenne nicht nur Homosexuelle wie es häufig der Fall ist, nein ich kenne auch eine Menge Heterosexuelle und wenn ich gerne mal was mit einem ausprobieren möchte in Sachen Sex und er blockt ab, dann kann ich das auch akzeptieren und lasse ihn in Ruhe und wir sind trotzdem weiterhin gut befreundet.

Wenn da gleich jemand sagt er möchte mit mir nichts mehr zu tun haben, der ist dann auch kein freund für mich. Wenn ich selbst an meine Kindheit zurück denke, muss ich sagen ich hatte nie einen richtigen Freund der zu mir stand, weder im Kindergarten noch in der Schule. Ich war immer derjenige der alles einstecken musste und fast jeden Tag Schläge von seinen Mitschülern bekommen hat. Und daher denke ich wirkt sich meine sexuelle Neigung aus.

Meine bald 13 - jährige Schwester geht damit viel besser um als mein Vater. Wenn sie Fragen hat zum Thema Sexualität, dann kommt sie immer zu mir. Und das finde ich ehrlich gesagt total in Ordnung von ihr. Ich selbst komme mit meiner Neigung sehr gut klar. Einige meiner Freunde, wollten nachdem ich mich geoutet habe nichts mehr mit mir zu tun haben, weil sie dachten das ist eine Schande für die Menschheit was ich da tue.

Aber das es meine persönliche Meinung und Neigung ist, darauf kommt niemand. Ich habe doch mit diesen Menschen die diese Art von Sex nicht akzeptieren können oder wollen nichts abzumachen. Also waren es in meinen Augen auch keine wahren Freunde die zu einem halten würden. Ich bin seit 2 Jahren auf der Suche nach einem Freund, der zu mir steht und der mich genauso liebt wie ich ihn auch. Mit dem ich die Höhen und Tiefen des Lebens auskosten möchte. Ich denke in meinem Alter auch noch nicht daran mich wirklich schon fest zu binden, weil ich noch mein ganzes Leben vor mir habe und noch einige Erfahrungen sammeln möchte. Ich habe Kontaktanzeigen aufgegeben, auf die eine Menge Leute geantwortet haben.

Ich sage mal aus meiner Sicht, dass ich mit den Anzeigen sehr vorsichtig geworden bin. Das heißt ich kann mich nicht mit jedem Menschen treffen der mir geantwortet hat, dann wäre ich schon nicht mehr da. Deshalb bin ich froh, dass ich innerhalb der letzten 5 Jahre noch keine ernsthaften Sachen erlebt habe.

Sicher habe ich auch Menschen kennen gelernt, die mir im nachhinein sehr unsymphatisch waren oder wo ich meine Zweifel hatte. Von diesen Leuten habe ich mich dann so schnell wie möglich in irgend einer Art und Weise losgekoppelt, ohne eigentlich zu wissen warum. Ich habe es einfach getan, weil ich es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren konnte.

Daher stehe ich auf diese Blind Dates um vorher nie genau wissen zu können, was mich denn erwartet. Wenn ich mir die Person aus weiter genau betrachte kann ich schon einschätzen ob ich mit ihm ins Gespräch kommen und ihn kennen lernen will oder ob ich es lieber sein lasse. Es ist aber bis jetzt noch nicht vorgekommen.

Im ganzen sage ich einfach nur wer mit mir nicht klar kommt, ist selbst schuld daran, denn einen Menschen nur wegen seiner Neigung abzustoßen, finde ich blöd und da sage ich ganz einfach mit solchen Leuten möchte ich auch nicht konfrontiert werden.?

Marco kannst Du auf seiner Homepage besuchen.



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